MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Der Mülheimer Verband ist Träger des AIDS-Waisen- und Schulprojekts BOCCS (Buyantanshi Open Christian Community Schools) im sambischen Kabwe. Ein festes Standbein der Arbeit ist neben schulischer und medizinischer Betreuung die regelmäßige Austeilung von Mahlzeiten. Martin Hartmann, Projektmanager von BOCCS, berichtet, wie sich in diesem Bereich durch die Einrichtung einer innovativen Biogasanlage vollkommen neue Möglichkeiten eröffnen.

An den sechs BOCCS Schulen in Sambia erhalten täglich mehr als 600 Personen ein Mittagessen. Sowohl die Patenkinder als auch Mitarbeiter wie Lehrer und Sozialarbeiter nehmen daran teil. Da es an den Schulen keine Stromversorgung gibt, wird auf offenem Feuer mit Holzkohle oder Holz gekocht. Eine Alternative dazu gab es bislang kaum, denn Solarkocher oder andere Technologien stellten sich allesamt für unsere Bedürfnisse als unzureichend oder zu teuer heraus. Nach einigen Vorgesprächen schlug der gemeinnützige Verein Share for Smiles e.V. im letzten Jahr Hilfe im Bereich der Energieversorgung vor, um gegen die fortschreitende Abholzung in Sambia vorzugehen. Ziel der einzigartigen Projektidee war, eine neue Toiletten- und Biogasanlage in der BOCCS-Schule im Bezirk Waya zu bauen.

Eine ungewöhnliche Idee

Dieser Gaskocher wird mit dem gewonnenen Biogas befeuertDer Gedanke hinter der Biogasanlage: An der Schule benötigten wir für die beinahe 400 Schüler dringend sechs neue Schultoiletten. Darunter sollte nun eine Biogasanlage platziert werden, die die menschlichen Ausscheidungen auffangen würde. Zudem könnten auch Küchen- und Pflanzenreste sowie zusätzlich angebaute Biomasse eingeführt werden. Das auf natürlichem Wege entstandene Biogas sollte wiederum per Gasleitung zur Küche geführt und dort zum Kochen für das Schulspeisungsprogramm verwendet werden, woran in Waya etwa 85 Personen teilnehmen. Zudem könnte die Anlage auch kostenlos Dünger produzieren, der im Schulgarten benötigt wird.

Wir stellten uns natürlich die Frage, ob es nicht hygienisch bedenklich sei, Gas aus "Toilettenprodukten" für das tägliche Mittagessen zu verwenden. Ein Ausflug in die Hauptstadt Lusaka mit einer Köchin aus Waya und dem Schulleiter wurde angesetzt, um sich dort das System einer bereits existierenden Biogasanlage näher anzuschauen. Es schien alles sauber und hygienisch zu funktionieren – selbst ein "Riechtest" brachte positive Ergebnisse.

In einer Beratungssitzung über die Möglichkeit der Einrichtung einer derartigen Anlage stimmte eine überwältigende Mehrheit dem Vorhaben zu und auch die Eltern der Schulkinder bekundeten Bereitschaft, ihre Arbeitskraft für die Bauarbeiten zur Verfügung zu stellen. Ein Expertenteam der Water and Sanitation Association of Zambia (WASAZA) aus Lusaka rückte im September 2010 in Waya an und erklärte den anwesenden Eltern und Schülern, wie das Projekt genau funktionieren und letztlich verwendet werden sollte.

Bauphase

Die Biogaskuppe wird in der ausgehobenen Grube angelegtIm September 2010 begannen die Bauarbeiten. Eltern und Anwohner in Waya arbeiteten in fest eingeteilten Teams am Ausheben einer Grube für die Biogaskuppe. Eine 5,20 Meter durchmessende und 2,25 Meter tiefe Grube wurde in nur drei Wochen von Hand ausgehoben. Danach führte ein Handwerkerteam der WASAZA mit Unterstützung der freiwilligen Helfer die Facharbeiten durch und konnte bis Ende Oktober die Kuppe und die Schleusen für die Biogasanlage fertig stellen. Allerdings ließ der Eifer der Eltern zum Mithelfen langsam nach: So war am Ende nur noch eine Gruppe von zehn Eltern zur Mitarbeit bereit – und auch nur gegen Bezahlung.
Auf die Kuppe der Biogasanlage wurde eine Betonplatte gelegt, auf der dann die Toilettenanlage gebaut wurde. Der Rohbau für das Toilettenhaus wurde Mitte November fertiggestellt. Anschließend mussten eine aufwändige Dachkonstruktion aus Holz und Gras aufgesetzt und sechs Toiletten, ein Urinal und ein Waschbecken im Toilettenhaus eingebaut werden.

Lukas, ein Absolvent des Anderen Dienstes im Ausland (AnDi) hilft bei der Fertigstellung der KuppeMit Einsetzen der Regenzeit im November 2010 kam es zu mehreren Verzögerungen durch schlechtes Wetter, erkrankte Bauarbeiter, fehlendes Material, verschobene Termine usw., sodass einzelne Arbeitsabschnitte wie die Verlegung der Gasleitungen mehrmals nach hinten verschoben werden mussten. Zwischenzeitlich wurde ein Feld neben der Toilettenanlage mit Taro-Pflanzen angebaut. Die Taro-Pflanze hat grüne schattige Blätter und einen stabilen Stamm, eignet sich also gut als zusätzliche Biomasse für die Anlage. Da die Blätter eine glatte Oberfläche haben, wurde diese Pflanze auch deshalb ausgesucht, weil sie in ländlichen Regionen als natürliches Toilettenpapier verwendet wird.

Im Februar 2011 konnten schließlich die Gasleitungen zur Küche verlegt werden. Leider waren damit immer noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen, denn die Schulküche musste ebenfalls modifiziert und die leere Biogasgrube zunächst aufgefüllt werden. Eine örtliche Kanalisationsfirma transportierte dafür sieben Lkw-Ladungen voll Grubenschlamm an.

Endlich geschafft

Mitte März wurden die Toiletten von den Schülern in Betrieb genommen und Anfang April legten Mitarbeiter der WASAZA erfreulicherweise den Gasanschluss. In der Küche wurden erstmals die Gasöfen angezündet und mit "unserem eigenen" Biogas getestet. Bisher gibt es in der Biogaskuppe allerdings noch nicht genügend Biomasse, um eine Flamme mit der für das Kochen erforderlichen Brennstärke zu erzeugen. Mit der zunehmenden Benutzung der Toiletten wird sich dies erwartungsgemäß bis zur zweiten Jahreshälfte ändern. Wir erhoffen uns die erfolgreiche Funktionsfähigkeit zur feierliche Eröffnung der Anlage mit geladenen Ehrengästen, die Mitte Juli angesetzt ist.

Die fertige Anlage

Ein voller Erfolg

BOCCS konnte erfolgreich ein ehrgeiziges Projekt in Angriff nehmen, welches zukünftig in Sambia wegweisend sein wird. Es ist die erste Biogasanlage in der Zentralprovinz überhaupt und nur eine von etwa zehn Anlagen im gesamten Land. Durch die einzigartige Konstellation entsteht durch den Toilettenbau ein hoher Nutzen für unsere Schule in Waya, gleichzeitig wird Energie für den Küchenbetrieb erzeugt und somit die Umwelt geschont. Wir im BOCCS-Waisen- und Schulprojekt in Sambia bedanken uns für die großzügige Spende des Vereins Share for Smiles e.V. und für alle weiteren Unterstützer, die unsere Arbeit ermöglichen.

Martin Hartmann

Ähnliche Beiträge

Besuchen Sie uns auch auf Facebook!

mv-gemeinden

Zum Beispiel in Osnabrück:

Andreas-Gemeinde Osnabrück

Hauswörmannsweg 90
49080 Osnabrück
Tel. +49 541 5061971
E-Mail pastor@andreas-gemeinde.net
http://andreas-gemeinde.net

mv-kolleg

01.02.2019 - 02.02.2019
Gemeindeleiter-Seminar 2
28.02.2019 - 02.03.2019
Kongress christlicher Führungskräfte
08.03.2019 - 09.03.2019
Evangelisation 2
29.03.2019 - 30.03.2019
Einführung in die Gotteslehre

mv-termine

05.04.2019 - 07.04.2019
ECHT! 2019

mv-empfehlung

Anzeigen

Anzeige BOCCS-Patenschaften
Anzeige BOCCS
  • Wir suchen Menschen und Gemeinden, die BOCCS durch Spenden unterstützen.
  • Weitere Infos hier.
Anzeige BOCCS
Anzeige BOCCS-Infofilme

Orientierung
in stürmischen Zeiten:

Ethische Entscheidungen treffen

4. überarbeitete
und erweiterte Neuauflage 2017!

[Hier klicken für mehr Info]