MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Bei BOCCS suchen wir aktuell nach neuen Wegen, um die Eigeninitiative von erwachsenen Familienmitgliedern unserer Patenkinder ("Guardians" genannt, d.h. Erziehungsberechtigte von Patenkindern bei BOCCS) zu fördern, die sich selbständig zu kleinen Unternehmergruppen zusammenschließen, eigene Einkommensideen entwickeln und sich in deren Umsetzung gegenseitig unterstützen. So haben wir damit begonnen, diesen Guardians im Rahmen von Workshops zusätzliche Fähigkeiten wie z.B. die Herstellung von Schmuck und Handtaschen beizubringen, mit denen sie in Zukunft eigenes Geld verdienen und damit ihre Familien besser versorgen können.

Konzentriert und vorsichtig schiebt Esther den Faden durch das enge Loch einer kleinen Perle. Während sie den Zwirn geschickt in ihren Fingern hält, zieht sie ihre letzte Kunststoffkugel langsam nach unten. Es folgt ein doppelter Knoten, damit bloß nichts auseinanderfällt. Fertig. Esthers Augen leuchten, als sie sich ihr fertiges Werk aus bunten Perlen mit prüfend musternden Blicken anschaut. Sie hält kurz inne und staunt über ihr kleines Machwerk. Zufrieden hält sie sich die Kette an den Hals, steht von der alten Holzbank auf und dreht sich mit ihrem Schmuck zu den anderen Müttern. Diese sind ebenso begeistert über Esthers Kreativität, vertiefen sich dann aber wieder rasch in ihre eigene Arbeit.  Wie in einer geschäftigen Werkstube, so erscheint das bunte Treiben an all den Holztischen mit ihren unverkennbaren Gebrauchsspuren. Fast dreißig Frauen arbeiten heute an ihrem eigenen Schmuck, den sie später auf der Straße verkaufen wollen.

Als sich Esther zum ersten Mal mit einigen Freundinnen zusammensetzte, um gemeinsam über Wege in die finanzielle Unabhängigkeit zu sprechen, kamen sofort viele Ideen und große Erwartungen auf. Esther ist seit mehreren Jahren Witwe und spürt jeden Tag die große Verantwortung, die sie für John (Patenkind bei BOCCS) und die anderen Kinder unter ihrem Dach trägt. Sie müssen nicht nur verpflegt werden, sondern brauchen auch immer wieder neue Kleidung und Schulmaterialien. Wie Esther und ihre Familie wohnen auch ihre Freundinnen (allesamt Guardians) im ärmlichen Wohnviertel Katondo, in dem sich auch eine der sechs BOCCS Schulen befindet. In dieser Umgebung haben sie die Probleme der Arbeits- und Perspektivlosigkeit ständig vor Augen.  Doch sie alle teilten den Wunsch, diese Gegebenheiten nicht einfach nur zu ertragen. Stattdessen wollen sie neue Wege gehen und auf eigenen Beinen stehen. Also gründeten sie selbständig ein sogenanntes "Micro Business" und erhoben für alle Mitglieder eine kleine Beitrittsgebühr. Außerdem vereinbarten sie, dass jeder von ihnen einen festen monatlichen Beitrag in die gemeinsame Kasse einbezahlt. Das so gesammelte Geld sollte dann einerseits als "Direkthilfe" im Falle einer Notsituation bei einem der Mitglieder und andererseits als finanzielle Starthilfe für die eigene Geschäftsidee dienen.

So also die Theorie ihres sogenannten Micro Businesses. In der Praxis gab es für die fünf Frauen zunächst zwei große Enttäuschungen: Begeistert von ihrer Initiative schlossen sich den Frauen in der Anfangszeit weitere Mitglieder an. Allerdings machte sich ein älterer Mann, der dazu gehörte, nach wenigen Monaten mit den Ersparnissen der Gruppe davon. Doch Esther und ihre Freundinnen starteten von Neuem. Sie kauften eine neue Kasse, diesmal mit mehreren Schlössern, und vertrauten sich mit ihrem Vorhaben einem Sozialarbeiter an, der ihre Finanzen verwalten sollte. Anfangs schien dieser Neustart zu funktionieren, bis sich herausstellte, dass sich auch dieser Mann als nicht vertrauenswürdig erwies. Der Sozialarbeiter bereicherte sich an dem Ersparten der Gruppe und verschwand schließlich mit der gesamten Kasse. Das war wieder ein harter Schlag und eine tiefe persönliche Enttäuschung. Daraufhin schrumpfte die Gruppe wieder auf die fünf ursprünglichen Mitglieder: Esther und ihre vier Freundinnen. Sie wollten diesen Weg in die finanzielle Unabhängigkeit trotz der Rückschläge weiter verfolgen.

Die Erzählungen dieser fünf Frauen haben uns bei BOCCS in den vergangenen Monaten sehr beeindruckt und dazu ermutigt, selbst verschiedene Guardian-Workshops an der größten BOCCS Schule in Kabwe Main anzubieten. Dort ging es um die Entwicklung von eigenen kleinen Geschäftsideen und das praktische Erlernen von Fertigkeiten. Die Begeisterung unter den insgesamt 350 Guardians an den ersten beiden Tagen war enorm, so dass wir uns als Team dazu entschlossen, für die Fertigung von Handtaschen aus alten Plastiktüten und für die Herstellung von Schmuck zwei zusätzliche Workshops anzubieten. Dort waren die Gruppen zwar kleiner, doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Alle anwesenden Guardians waren davon überzeugt, dass es neue Wege braucht, um in Zukunft eigenes Geld zu verdienen. Aus diesem Grund waren sie wiedergekommen. Unter den Teilnehmern aller dieser Workshops waren auch Esther und ihre vier Freundinnen, denn sie haben ihr Ziel weiterhin fest vor Augen und sind damit ein großes Vorbild für die anderen Guardians, genauso wie auch für uns!

Miriam und Marcus DieckmannMiriam und Marcus Dieckmann

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