MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Im August 2012 reiste eine Gruppe von zehn Personen aus der Philippus-Gemeinde Bielefeld und der Paulus-Gemeinde Bremen, zumeist Pädagogen, nach Sambia, um dort im Aidswaisen- und Schulprojekt BOCCS in der Provinzhauptstadt Kabwe Unterrichtsstunden und Lehrerfortbildungen anzubieten. Folgend berichtet die Leiterin der Gruppe, Heike Klinger (Bielefeld), über die besonderen Erlebnisse während der Gruppenreise.

Als eine bunt zusammengewürfelte Truppe von zehn abenteuerlustigen Bremerinnen und Bielefeldern traten wir nach wochenlangen Vorbereitungen mit gefüllten Koffern voller Unterrichtsmaterialien unsere Reise an. Was wird uns erwarten? Wie nur können wir in den wenigen Tagen in das sambische Schulleben hineinfi nden und Hilfestellungen geben? Uns war klar, dass es nur "ein Tropfen auf den heißen Stein" sein wird. Im Vorfeld gab es eine Fragebogenaktion unter den sambischen Lehrern, deren Auswertung uns geholfen hat, uns auf einzelne Bereiche zu konzentrieren. Als großes Problem wurde von den Lehrern benannt: Die Schüler vergessen so schnell wieder, was sie gelernt haben. (Geht uns an deutschen Schulen ja auch nicht anders!) Ansonsten wünschten sie sich besondere Unterstützung in den Naturwissenschaften, weil es ihnen hier besonders an Büchern und Material fehlt und als weiteren Punkt: Anregungen für Unterrichtsmethoden.

Nach nur einem Hospitationstag (viel zu wenig, aber aufgrund der knappen Reisezeit kaum anders zu machen) in Makululu und Katondo, hielten wir unsere Unterrichtsstunden über das Thema "Leben in Sambia und Deutschland".

Hierbei wollten wir den Lehrern zeigen wie das Lernen an Stationen funktioniert. Kein Frontalunterricht, wo alles ständig nachgesprochen wird, sondern Hinführung zu eigenem Denken, Fragenstellen und Herausfinden von Antworten. An den Nachmittagen gab es Hilfestellungen für die Lehrer. Auffällig war, dass es besonders im mathematischen Bereich großen Bedarf gibt. Da kamen unsere mitgebrachten gesponserten Rechenrahmen gerade  recht. Die Lehrer merkten, wie einfach und schnell man rechnen kann, wenn man die Mengenbilder im Kopf hat und nicht erst an Fingern, Zehen oder mit Strichen nachzählen muss. "Calculate without counting" wurde dank Eva zu einem neuen Motto. Später wurde ein Rechenrahmen an der Kabwe Main School nachgebaut. Mal sehen, ob sie damit in die Produktion gehen werden. Offen bleibt, ob die Rechenrahmen auch nach unserer Abreise richtig gehandhabt werden können.

Der Höhepunkt unserer Reise war ein Fortbildungstag für alle Lehrer der 6 BOCCS-Schulen. Folgend einige Auszüge aus unserem Reisebericht:

Mit Spannung schauen wir auf diesen Tag, ca. 60 Lehrer erwarten ein Fortbildungsprogramm von uns. In unseren Vorbereitungen waren wir unsicher, ob das, was wir uns überlegt haben, den Lehrern wirklich eine Hilfe sein wird. Wir wollen sie ermutigen und hoffen, dass wenigstens ein paar Tipps ihren Schulalltag bereichern können. Uns bleibt nichts weiter, als darauf zu vertrauen, dass Gott uns schon in den Vorbereitungen geführt hat und aus unseren "Zwei Fischen und fünf Broten" etwas macht. Mit all unseren Materialien ruckeln wir im Pickup über Schlaglöcher und Fahrrinnen zur Kabwe Main School. Wir haben Zeit, die einzelnen Räume für unsere sieben Lernstationen mit unseren Aufgabenstellungen zu bekleben, Tafeln zu beschriften und Experimente vorzubereiten. Noch müssen Schüsseln und Wasser organisiert und in der Tischlerei Holzstücke zurechtgesägt werden, an die Türen werden Nummern geklebt, die Gitarre wird gestimmt … Dann geht es los!

Martin Hartmann startet mit einigen ermutigenden Worten an die Lehrer. Wir stellen uns mit zwei Liedern vor; "Groß und wunderbar", damit mal deutsche Sprache erlebt werden kann, und "Freedom is coming", um afrikanischen Rhythmus made by Germans zu zeigen. Völlig überraschend jubeln die Lehrer uns zu und bewegen sich gleich mit, ganz aufgelöste Juchzer, dass Deutsche so singen können. Damit ist erstmal das Eis gebrochen. Als dann der sambische Chor startet, werden wir wieder ganz kleinlaut – Gänsehautfeeling pur, unglaublich, welch ein Stimmvolumen und pure Anbetung. Wir sind sehr bewegt! 

Hildburg stellt ein paar Fakten und Zahlen über unsere Gedächtnisleistung vor und zeigt Wege auf (Lernen mit allen Sinnen), damit das Gelernte besser behalten wird. Die Lehrer staunen nicht schlecht, als sie von der rechten und linken Gehirnhälfte erzählt, die unterschiedlich funktionieren. Viele schreiben eifrig mit, hinterher müssen wir versprechen, diesen Vortrag noch einmal schriftlich auszuarbeiten. Dann wird es praktisch, Eva erklärt, wie hilfreich und vorteilhaft das Lernen an Stationen ist. Sehr ungewohnt für sambische Lehrer, wo meistens alle Schüler Frontalunterricht erleben und vieles einfach nur nachgeplappert wird.

Stationsarbeit

Die Lehrer werden in sieben Gruppen eingeteilt und sollen an diesem Tag an unseren sieben vorbereiteten Stationen "Lernen mit allen Sinnen" erleben und über diesen Weg Ideen für ihren eigenen Unterricht erhalten. Wir vergewissern ihnen, dass alle Materialien für alle sechs Schulen ausgearbeitet wurden und sie das Materialpaket erhalten werden. Doch sie sind misstrauisch und schreiben lieber unsere Arbeitsanweisungen und Aufgabenstellungen ab. Was man hat, das hat man. In jeweils 30 Minuten lernen die Lehrer in ihrer Kleingruppe an den Stationen, möglichst selbstständig, möglichst wenig mit Lehrer. Ein quirliges Miteinander auf dem ganzen Gelände - besonders von der Station "Physics" schallt immer wieder lautes Lachen über den Hof - es gibt anscheinend viel Spaß bei den Experimenten. Ansonsten rauchen eher die Köpfe. Schnell wird auch in den Lehrergruppen klar, wer hier aktiv und in der Lage ist, anderen etwas zu erklären, wie in jeder normalen Klasse. Ob die Lehrer das auch in ihrem Unterricht einbeziehen werden, dass ihnen mancher Schüler Arbeit abnehmen kann?

Am Nachmittag startet Fred mit einer Andacht zur Berufung des Lehrers. Immer wieder ist zu sehen, wie wichtig die Lehrer für Gott sind. Im zweiten Teil der Andacht spreche ich über die Wichtigkeit jedes einzelnen Kindes. Wenn wir uns um Kinder und andere Bedürftige kümmern, tun wir das, was Gott auf dem Herzen liegt. Ich schaue in sehr offene Lehrergesichter und habe den Eindruck, dass einige ihre

Lehreraufgabe speziell bei diesen Kindern als bewusste Aufgabe sehen. Dankbarkeit erfüllt mich! Wir beenden die Fortbildung mit einem kleinen Geschenk an jeden Lehrer. Jeder erhält einige Utensilien, die er für den Schulalltag gut gebrauchen kann. Uns wird viel Dank entgegengebracht, viele Lehrer verabschieden sich persönlich, einige werden wir am Montag in den Schulen wiedersehen.

Als wir am Montagmorgen auf dem Schulgelände der "Buyantanshi Open Christian Community School Katondo" eintreffen, stehen die 300 Schüler und die 6 Lehrer schon geordnet am Fahnenmast und begrüßen uns mit einem Lied. Schnell hüpft das erste Team von der Ladefläche, die anderen fahren weiter in den Compound Makululu.

Unsere beiden Zweier-Teams betreten mit allen Materialien im Gepäck, frohen Mutes die beiden großen Klassenräume der 5. Klassen um mit dem Unterricht zu beginnen. Mit Erstaunen stellen wir dort fest, dass sich die Schüleranzahl, im Vergleich zum let zten Mal, verdoppelt zu haben scheint. Die Klassenlehrer berichten uns nachher, dass jeweils zwei Klassen gleichzeitig in den Genuss unseres Unterrichtes kommen sollten. So wiederholen wir eben mit 70 Kindern den deutschen Willkommensgruß und den Inhalt der letzten abgehaltenen Stunde. Ein Strahlen huscht über die dunklen Gesichter, als wir für den weiteren Verlauf Hefte und Kugelschreiber austeilen. Dann wagen wir uns mit den Schülern an die vorbereitete Stationsarbeit. Erstaunlicherweise sind gemeinsam mit den Kindern ruckzuck vier Gruppen eingeteilt und vier Stationsecken vorbereitet. Auch das selbstständige Lernen und Arbeiten klappt mithilfe einiger spontanen Differenzierungen und des Klassenlehrers, der die Aufgaben noch mal in der Stammessprache Bemba erklärt, ziemlich gut. Wissbegierig erforschen die Schüler alle Themen, wie Tiere, Landschaften, Familie und Schule in Deutschland. Nach einer guten Stunde schließen wir die Unterrichtsstunde mit unserem Lied "He’s got the whole world" ab und freuen uns besonders, dass auch die deutsche Strophe lautstark mitgesungen wird.

Bella und Birte sammeln erste Eindrücke in der Nähklasse in Kabwe Main. Sie kaufen gemeinsam mit den Kursteilnehmern Stoffe und Materialien. Trotz unglaublichen Materialmangels gelingt es den Afrikanerinnen faltenlose Taschen fertigzustellen.

Dennis und Fred dürfen die Lehrer schulen. Seit kurzem gibt es einen Computerraum mit acht PCs. Anscheinend haben die meisten noch nie an einem PC gesessen. Die Zeigefinger einiger Lehrer kreisen wie die Adler über die Tastatur und suchen ihre Beute, den passenden Buchstaben. Gestern haben wir versucht, ihnen die Grundfunktionen von Word beizubringen. Davor musste Dennis erst einmal Tastatur und die Handhabung der Maus erklären und zeigen. Wie die Kinder wirbeln alle in den Programmen herum und am beliebtesten sind, wie bei uns natürlich, die Audio- und Videoprogramme.

Die Zeit des Abschieds naht, dabei haben wir doch gerade erst angefangen, Kontakte zu knüpfen und Beziehungen aufzubauen. In dieser kurzen Zeit sind uns neben den vielen wunderbaren Kindern auch die Lehrer ans Herz gewachsen. So viel Offenheit und Wissensdurst hatten wir nicht erwartet. Auch nach Abzug aller sambischen Höflichkeitsformen hatten wir den Eindruck, dass wir sie ermutigen und ihnen einige Ideen vermitteln konnten. Jetzt müsste es weitergehen … !

Heike Klinger

Ähnliche Beiträge

Besuchen Sie uns auch auf Facebook!

mv-gemeinden

Zum Beispiel in Vaale:

Christliche Gemeinschaft Vaale

Hauptstraße 3
25594 Vaale
Tel. +49 4827 3659
Fax +49 4827 3170
E-Mail info@sievershof.de

mv-kolleg

02.11.2018 - 03.11.2018
Vereinswesen & Vereinsrecht
09.11.2018 - 10.11.2018
Die Lehre vom Menschen
01.02.2019 - 02.02.2019
Gemeindeleiter-Seminar 2
28.02.2019 - 02.03.2019
Kongress christlicher Führungskräfte
08.03.2019 - 09.03.2019
Evangelisation 2
29.03.2019 - 30.03.2019
Einführung in die Gotteslehre

mv-termine

01.11.2018 - 04.11.2018
MIA – Jugend-Mitarbeiter-Tagung
20.11.2018 - 23.11.2018
TLT: Theologische Leiter-Tagung 2018

mv-empfehlung

Anzeigen

Anzeige BOCCS-Patenschaften
Anzeige BOCCS
  • Wir suchen Menschen und Gemeinden, die BOCCS durch Spenden unterstützen.
  • Weitere Infos hier.
Anzeige BOCCS
Anzeige BOCCS-Infofilme

Orientierung
in stürmischen Zeiten:

Ethische Entscheidungen treffen

4. überarbeitete
und erweiterte Neuauflage 2017!

[Hier klicken für mehr Info]