MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Sabine Vetter (Mülheim) verbrachte Anfang 2013 drei Wochen mit ihrem Mann Ekkehart "in der Wüste" in Israel. Zu Beginn einer gemeinsamen Sabbatzeit wollten sie "ihr Herz in die Wüste führen" und erleben, welche Wirkung eine "reizarme" Umgebung auf das eigene Denken und Fühlen hat.

"Was mache ich hier eigentlich?"

Sabine und Ekkehart VetterLange haben wir uns darauf vorbereitet und darüber nachgedacht, wie es werden wird, im Januar 2013 für einige Wochen in der Wüste zu leben. Bevor wir uns auf den Weg machten, gab es viele gut gemeinte Ratschläge und Wünsche. Unsere Tochter Judith schenkte uns unter anderem ein Lesezeichen, auf dem stand: "Was mache ich hier eigentlich?"

Sehr gut, dachte ich - das ist nachdenkenswert. Also: "Was machen wir hier eigentlich?" Ich habe daraufhin folgende Erwartungen für mich formuliert: Ich möchte "mein Herz in die Wüste führen." Diesen Satz hatte ich irgendwann einmal gelesen und er hatte mich angesprpochen. Das heißt für mich konkret, dass ich meine Gedanken und Gefühle ohne die Ablenkungen und Verpflichtungen des Alltags mit in die Wüste nehmen will, um dort erkennen zu können, an welchen Stellen ich veränderungsbedürftig bin und welche (neuen) Impulse Gott für mich vorbereitet hat. Das sind gute Ziele, doch zwischendurch kamen mir immer wieder Zweifel, ob das alles während unserer Wüstenzeit überhaupt erfahrbar ist. Was mache ich hier eigentlich?

Ich dachte an Jesus. Er wurde in die Wüste geführt, um sich seiner göttliche Bestimmung und Berufung gewisser zu werden. Er erlebte dabei Entbehrungen und Versuchungen. Aufgrund unserer heutigen Lebensumstände und den technischen Hilfsmitteln, die uns überall zur Verfügung stehen, ist ein realistischer Vergleich zu Jesu damaliger Wüstenzeit wohl kaum möglich. Wir hatten jederzeit die Möglichkeit, um nach ein paar Kilometer mit dem Auto wieder in der "Zivilisation" einzutauchen. Und dennoch fragten wir uns: Was können wir heute während unserer Wüstenzeit lernen, wie können wir von den Tagen in Israel geistlich profitieren?

Negev, Makhtesh Ramon

Unsere Wüstentage begannen im israelischen Negev, genauer dem Makhtesh Ramon, einem riesigen Krater, in dessen Mitte es einen beduinischen Camp-Ground gibt. Auf der Basis eines einfachen Campingplatzes – entweder im eigenen Zelt oder im großen Gemeinschaftszelt der Beduinen mit den dazu gehörigen Facilities (Toiletten, Duschen) – und Selbstversorgung bestand hier eine gute Möglichkeit, Einsamkeit zu erleben. Denn rundherum erstrecken sich nur Felsenlandschaften und Steinwüste. Die nächste Einkaufmöglichkeit befindet sich außerhalb des Kraters in Mizpeh Ramon, etwa zehn Kilometer entfernt, nur über eine schwer zu befahrene  Straße zu erreichen. So kauften wir genügend für die nächsten Tage ein, um den Krater nicht ständig wieder verlassen zu müssen. Bereits am zweiten bzw. dritten Tag machten wir unsere erste "Wüstenerfahrung":

Wir hatten im Camp-Ground-Gemeinschaftskühlschrank Hommos (Kichererbsenpüree als Brotaufstrich) und Käse eingelagert. Als wir am zweiten Abend davon essen wollten, fragten wir uns nach einem Blick in den Kühlschrank: "Wo ist unsre Tüte? Weg! Etwa geklaut?" Uns war schon in der vorigen Nacht eine Wasserflasche abhanden gekommen, die wir vor unserem Zelteingang hatten stehen lassen ... und jetzt das? O schade, ich hatte mich auf das leckere Sesam-Mus gefreut. So fiel das Abendessen etwas karg aus, das Frühstück am nächsten Morgen nur noch mit trockenem Brot und Wasser ohne Kaffee oder Tee. Und das alles bei klammer Morgenkälte. Der nächste Bäcker war halt nicht mal eben um die Ecke zu finden.Der Makhtesh Ramon bot eine Fülle von meditativen Orten, an denen wir lesen und die wir durchwandern konnten. Die Nächte mit dem klaren Sternenhimmel und die roten Sonnenaufgänge waren faszinierend und ließen uns die Schöpfung hautnah erleben. Es war überwiegend trocken. Nur wenige Büsche waren zu sehen, die dort tatsächlich wachsen und anscheinend vom Tau des Morgens bewässert werden.

Regen in der Wüste

Aber auch das ist Wüste: Heftige Regenfälle Anfang Januar in Israel! Angesichts einer überfluteten Straße am Toten Meer, über die hinweg aus den Bergen kommend ein reißender Wasserstrom schoss. Dort, wo sonst nie Wasser zu finden ist, fiel mir Jesaja 43,18 und 19 ein: "Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihrs denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde."

Regenbogen über der Wüste

Wasserströme in der Einöde! Wer die Straße, die am Toten Meer entlang führt, kennt, kann sich überhaupt nicht vorstellen, wie das Landschaftsbild aussieht, wenn dort plötzlich Wasser fließt. Nein, es floss nicht, es donnerte über die Straße hinweg, die danach über viele Stunden nicht befahrbar war. Einen anderen Weg für das Wasser gab es an dieser Stelle nicht. Wer nun vom Süden in den Norden kommen wollte oder umgekehrt, dem blieb nur, umzukehren und einen großen Umweg über eine andere Strecke in Kauf zu nehmen.

Jericho und Timna

Jericho liegt gewissermaßen in der Wüste, ist umgeben von Felsen und Sandstein. Auch hier machten wir einige Tage unter "wüstenähnlichen" Zuständen Station.

Im südlichen Negev findet sich eine faszinierende Gegend, die sich Timna nennt. Hier verbrachten wir einen ganzen Tag. Um uns herum nur Sand und riesige Felsen, von der Natur ausgewaschene Sandsteine, bizarre Formen …

Verschiedene Wüstenabschnitte, die wir auf uns wirken ließen. Weitgehende Menschenleere, Versorgung mit Essen nicht mal so eben um die Ecke, man muss immer genügend Wasser dabei haben. Und wir erlebten die Naturgewalten, denen der Mensch im entscheidenden Moment hilflos gegenüber steht.

Was ist Wüstenerleben?

Wir hatten nicht das Gefühl, diese Frage nach so kurzer Zeit in der Wüste auch nur annähernd beantworten zu können. Die Wüste scheint viele Seiten zu haben: Da ist die Faszination des Weiten, die Beruhigung für das Auge, das im normalen Alltag so vielen Reizen ausgesetzt ist und Informationen an das Gehirn sendet, die wir oft gar nicht alle aufnehmen bzw. verarbeiten können.

Andererseits stellt sich die Wüste von unserem alltäglichen Standpunkt aus gesehen eher eintönig dar – oberflächlich gesehen. Denn erst das genaue Hinsehen sensibilisiert das Auge für Kleinigkeiten: Die besondere Felsenform, die aussieht wie ein Schädel, ein großer Pilz oder wie eine Spirale. Der weiße und rötliche Sand, in dem sich die verschiedensten Spuren von Menschen und Tieren befinden. Die vertrockneten Gräser und Büsche, die nach Regen lechzen und dankbar jeden Tropfen Tau aufnehmen. Die Stille, in die hinein ein Vogelzwitschern bricht oder der Wind leicht säuselt. Die Sonne, die sticht, aber auch gut tut nach einer kalten Nacht …

Was bedeutet es, hier zu sein und "Wüste" wahrzunehmen? Was bedeutet es, "sein Herz in die Wüste zu führen"? Bedeutet es, einfach nur mal nichts zu tun? Oder geht es um mehr? Ein gutes Stück in die Wüste hinein laufen, einen Anstieg auf einen Berg auf sich nehmen, eigene Grenzen spüren (vielleicht Durst, weil ich meine Wasserflasche vergessen habe), Schatten finden vor der gleißenden Sonne und gleichzeitig Geborgenheit in Gott finden – das ist wichtiges Wüstenerleben.

Und dann ist da vielleicht auch ein wenig Angst, sich in der Wüste zu verlaufen. Niemand würde uns hören, niemand wäre da, um zu helfen. Aber wir schaffen es, unseren Weg finden. Schließlich kommen wir zurück, und niemand ist da, der uns dafür lobt. Wüstenzeiten sind damit auch Zeiten ohne Menschen, die etwas zu meinem Weg sagen könnten, oder die meinen Weg korrigieren würden. Aber auch Zeiten, in denen ich keine Rechenschaft über mein Handeln ablegen muss, aber eben auch kein Lob für Erfolge bekomme. "Wüstenzeiten" führen uns zu unserem Inneren, auch an die Schwachstellen, die wir am liebsten gar nicht wahrhaben wollen. Dürfen meine schwachen Stellen sich überhaupt zu Wort melden?  Und wenn sie es tun, was mache ich dann?

In der Wüste ist mir bewusst geworden, dass manches im Tagesablauf durch die natürlichen Gegebenheiten festgelegt ist. Die Sonne geht um 17 Uhr unter. Das tut sie zu Hause auch, doch dort stört das nicht weiter. Wir haben in Deutschland unser elektrisches Licht, warme Wohnungen, wenn die Sonne nicht mehr wärmt. Wir können bis tief in die Nacht hinein mit unseren Geschäften einfach weitermachen. Im Beduinen-Camp im Makhtesh Ramon waren wir mehr oder weniger von den Sonnuntergangszeiten abhängig. Es gab zwar in den Beduinenzelten elektrisches Licht, doch in einem derart minderwertigen Maße, dass man es nur mit dem Licht einer Taschenlampe vergleichen kann. So aßen wir bereits gegen 17 Uhr unsere letzte Tagesmahlzeit.

War die Sonne erst einmal untergegangen, wurde es empfindlich kalt. Dann konnte man mit klammen Fingern kaum den Trinkbecher halten. Nach Sonnenuntergang gab es nur noch die Möglichkeit, entweder im warmen Schlafsack auf der Schlafmatte bei Funzellicht zu lesen oder sich dazu in die dafür extra eingerichtete Sitzecke zu setzen – aber auch nur im Schlafsack. Das hatte zur Folge, dass  wir manchmal bereits um 21 Uhr im Schlafsack lagen, dafür dann aber auch mit dem Sonnenaufgang wieder wach waren. Leben mit dem Tageslicht einfach. In dieser Art abhängig zu sein vom natürlichen Ablauf des Tages – wo im Alltag haben wir das noch? Überfordern wir uns im Alltag nicht ständig mit dem "noch mehr" und "noch länger"? Schlafstörungen und Übermüdung können die Folgen sein.

Was kann ich in der Wüste lernen?

  • Die Wüste lehrt mich, mehr auf meinen Körper und seine Bedürfnisse zu hören. Unser Alltag fordert von uns, den Tag und die Arbeit mit ihren Herausforderungen und Begegnungen durchzuhalten. Pausen sind zwar eingeplant, doch oft halten wir sie nicht ein. Womöglich arbeiten wir auch noch während der Mahlzeiten weiter: Emails checken, SMS schreiben, telefonieren … Ich möchte wieder lernen, bewusster Pausen zu machen und sie wirklich als Pause, als innere Auszeit von Arbeit und Verpflichtungen zu sehen, und seien sie noch so kurz!
  • Die Wüste lehrt mich, meine Umgebung bewusster wahrzunehmen, auf Kleinigkeiten zu achten, die Schönheiten im Detail zu sehen, sich an Winzigkeiten zu freuen. Ich möchte wieder lernen, auf Einzelheiten zu achten und nicht einfach darüber hinweg zu sehen. Ich will lernen, mich immer mal wieder ablenken zu lassen von wichtigen, schönen Momenten, die mir vor die Füße gelegt werden und diese nicht nur als Störungen meines eigenen Konzeptes zu empfinden.
  • Die Wüste lehrt mich, Stille zu empfinden und auszuhalten, eigene Gedanken zu Ende zu denken und nicht durch äußere Reize unterbrochen zu werden.
  • Die Wüste lehrt mich, dass Schwachheit kein Makel ist, sondern dass alles, was lebt, schwach in sich ist und in die Abhängigkeit zum Schöpfer gestellt ist.
  • Die Wüste hilft mir zu verstehen, dass auch scheinbar vertrocknete Pflanzen eine Daseinsberechtigung haben, und dass die Hitze des Tages und die Kühle der Nacht ihren Sinn haben. So wie es Sinn macht, dass sich in meinem Alltag schwierigere Zeiten mit schönen Zeiten abwechseln.
  • Die Wüste lehrt mich auch, dass es immer wieder Gegebenheiten geben kann, die ich nicht im Griff habe, wie zum Beispiel das reißende Wasser, das über eine Straße am Toten Meer fließt und über Stunden den Verkehr komplett lahm legt. Auch mein Leben habe ich nicht komplett im Griff, auch wenn wir meinen, wir hätten es. Manchmal geht es darum, geduldig zu warten oder auch, einen großen Umweg in Kauf zu nehmen, um weiter zu kommen. Dabei gilt es, vertrauensvoll auf Gott zu sehen und ihm die Wege zu überlassen. Denn seine Wege sollen mich tiefer in seine Liebe hineinführen: "Du, Herr, bist alles, was ich habe; du gibst mir alles, was ich brauche. In deiner Hand liegt meine Zukunft. Was du mir gibst, ist gut. Was du mir zuteilst, gefällt mir. Ich preise den Herrn, denn er hilft mir, gute Entscheidungen zu treffen. Tag und Nacht sind meine Gedanken bei ihm. Ich sehe immer auf den Herrn. Er steht mir zur Seite, damit ich nicht falle. Darüber freue ich mich so sehr, dass ich es nicht für mich behalten kann. Bei dir, Herr, bin ich in Sicherheit. Denn du wirst mich nicht dem Tod und der Verwesung überlassen, ich gehöre ja zu dir. Du zeigst mir den Weg, der zum Leben führt. Du beschenkst mich mit Freude, denn du bist bei mir. Ich kann mein Glück nicht fassen, nie hört es auf." (Psalm 16,5-11) Wüstenzeiten sind Gottes Zeiten mit uns!

Sabine Vetter

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