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Predigten aus dem MV:Manfred Vetter aus Flensburg spricht über Vergebung

Die vierte Phase: Freigeben

Wer so tief bewegt ist von der Barmherzigkeit Gottes, der kann dann auch - und das ist die vierte Phase - freigeben. Freigeben ist ja ein ganz realer Akt. Das steht hier auch so aufgezählt, "er gab ihn frei und erließ ihm seine Schuld." Ich stell mir das ganz gerne so vor: Wenn einer 10.000 Euro Schulden an mir hat, ich hab ihm das Geld geliehen und hab dafür einen Schuldschein bekommen, und er sagt: "Ich kann nicht zurückzahlen", und ich sag: "Du, das nehm ich dir aber sehr böse!", und dann merk ich aber: Der kann wirklich nicht zurückzahlen - irgendwann entschließ ich mich, diesen Schuldschein zu zerreißen. Ich verzichte auf mein gutes Recht. Das ist freigeben. Vielleicht tue ich es sogar mit Zähneknirschen. Es muss nicht unbedingt ganz reines Gefühl der Barmherzigkeit sein - aber wenn ich es mache, dann gilt es! Selbst wenn mein Gefühl noch hinterher hinkt, noch sagt: "Ohh, das fällt so schwer!". Aber wenn ich den Schuldschein zerrissen hab, dann ist sozusagen vor Recht und Gesetz die Schuld getilgt: "Da gab er ihn frei und erließ ihm seine Schuld."

Vergeben heißt übrigens nicht vergessen. Aber heißt, es quält mich in Gedanken nicht mehr; so unangemeldet, dass es auf einmal hochkommt. Ich kann daran denken, ohne innerlich zu verkrampfen, ohne die Faust in der Tasche zu ballen. Vergebung ist ein einmaliger Akt wie einen Schuldschein zu zerreißen - das muss man nicht zweimal tun. Aber damit es mich so in der Tiefe erreicht, auch in der Tiefe meiner Emotionen, da hat die Bibel noch einen anderen Rat: Dass wir Menschen, die an uns schuldig geworden sind, nachdem wir ihnen vergeben haben, sie immer wieder segnen, immer wieder im Herzen sagen: "Friede sei mir dir." Anfangs werden unsere Gefühle rebellieren, später werden sie vielleicht hinterher gehinkt kommen. "Friede sei mir dir." Wer vergibt, der tut etwas, das Jesus getan hat, er macht sich zum Handlanger Jesu. Die Macht der Sünde wird gebrochen über dem, der an mir schuldig geworden ist. Es kann eine Hilfe sein, so einen Schuldschein zu zerreißen, so einen einmaligen Akt unter Zeugen zu tun, in der Seelsorge. Dass ich es laut ausspreche, auch vor den Ohren eines anderen: "Diese Schuld werde ich nicht mehr zurechnen." Freigeben - Vergebung ist ein realer Akt, es geschieht etwas in der sichtbaren aber auch der unsichtbaren Welt.