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Uwe Röndigs:Raus aus der Gemeinde-Maschine

Uwe Röndigs ist Chefredakteur der Wetzlarer Neuen Nachrichten. Auf der Gemeindeleitungstagung 2011 des Mülheimer Verbandes war er Hauptreferent. Sabine Vetter hat ihm Fragen zum Spannungsfeld von Alltag, Glauben und Gemeindeleben gestellt.

Uwe RöndigsUwe, du bist Journalist, eigentlich schon seitdem ich dich kenne. Welche Erfahrungen machst du in deinem Job mit deinem Glauben? Was sind die Herausforderungen?

Glauben leben in meinem Job – das ist zunächst unspektakulär: Ich möchte den Menschen mit Gottes Liebe begegnen. Nicht so sehr auf mich schauen, sondern auf den anderen. Ich möchte fördern und ermutigen, möchte da sein, wenn Gespräch nötig ist. Den Leuten, die mir anvertraut sind, möchte ich so begegnen, wie Jesus das gern hätte. Die Herausforderung ist dabei: Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit und Berechenbarkeit. Schön wäre es, wenn da mal einer sagen würde: Du hast in meinem Namen Frieden gestiftet.

Es gab auch für dich mal eine Zeit "davor", also bevor du an Gott geglaubt hast. Wie hast du in der Zeit Christen im Alltag erlebt?

Zwei christliche Freunde haben mir gezeigt: Glauben und Denken sind keine Gegensätze – Teilen und Gewinnen übrigens auch nicht. Menschen wie sie waren für mich ausschlaggebend auf dem Weg zum Glauben, ohne sie hätte ich nie die Schritte auf Gott zugemacht. Glaube ist Beziehungssache. Es ist die große Frage: Lasse ich die Leute so dicht an mich ran, dass sie Gott wahrnehmen können?

In deinem Referat hast du über "neue Wege im Glaubensalltag" gesprochen. Inwieweit spielt für dich Gemeindeleben im traditionellen Sinne eine Rolle?

Gemeindeleben im traditionellen Sinne – darüber muss ich schon nachdenken. Das sind wahrscheinlich: Gottesdienste, regelmäßige Treffen, Hauskreise, Bibel- und Gebetsstunden, Arbeitsgruppen und so weiter. Ist es das vielleicht, was du meinst? Ich persönlich habe nach Jahrzehnten des traditionellen Besuchs den Schritt aus der "Gemeinde-Maschine" gemacht. Das war nicht leicht. Weg von den Verpflichtungen, hin zum bewussten "Sich-Einlassen".

Das hat Raum für eine ganz neue Gottesbegegnung geschaffen. Ich bin geliebt, auch wenn ich nichts leiste – das darf und muss auch in der Gemeinde gelernt werden. Klar, es wird einiges individualistischer, für Gemeindeleute auch unberechenbarer. Aber vielleicht liegt darin auch eine Chance. Die nämlich, dass Gemeinde mehr Bewegung ist als Organisation. Ich habe dadurch neue Freiräume entdeckt. Aber ich habe auch gemerkt, wie sehr ich Gottesdienste brauche, wie gut sie mir tun. Ich habe gemerkt: Ich brauche immer wieder die Impulse von außen, auch brauche ich die Begegnungen mit Menschen, die mir nahe werden – Freunde und Fremde. Wenn das das Gemeindeleben leistet, dann ist das gut und hilfreich.

Nimmst du überhaupt regelmäßig am Gemeindeleben teil?

Wir versuchen gerade, christliche Kreise in einer Region zu bündeln. Dabei merken wir: Unser Leben ist in ein enges Korsett gepresst. Das heißt: Wir suchen Formen geistlichen Lebens, die zu dieser Situation passen. Einkehrtage und Freizeiten, an denen wir Gemeinschaft haben und gleichzeitig ausspannen, wo gebetet wird und Möglichkeit ist, Anteil zu nehmen am Leben anderer

Was ist für dich der Unterschied zwischen dem traditionellen Sonntag mit Gottesdienst und den anderen Tagen der Woche – außer dass da kein Gottesdienst ist?

Da gibt es schon einen Unterschied. Alltag ist Routine, ist Funktionieren, ist Handeln, ist nach außen gekehrt. Sonntag darf überraschend sein, darf mit neuer Ausrichtung zu tun haben. Sonntag hat mit mir und meinem großen Gott zu tun. Hier muss ich nicht funktionieren, hier darf ich fragen, darf ich denken und mich orientieren, neu Kraft schöpfen. Am Sonntag darf ich mich von Gott unterbrechen lassen. Das Geschenk der Ruhe darf ich 52 Mal im Jahr auspacken.

Uwe, vielen Dank für das Gespräch.

Uwe Röndigs mit seiner Familie