MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Vor acht Jahren gründete die Andreas-Gemeinde Osnabrück eine Tochtergemeinde im benachbarten Ibbenbüren. Johannes Euhus, Pastor in Osnabrück, erzählt davon, wie er die Geschichte erlebt hat.

Eingang zur Thomas-Gemeinde Ibbenbüren

Meine erste Predigt in Ibbenbüren

Meine erste Predigt als Gemeindepastor in der damals noch namenlosen Tochtergemeinde datiert auf den 3. März 2006. Darin ging es um Elia und seinen toten Punkt unter dem "Ginsterstrauch" (nachzulesen in 1. Könige 19,1-18), als er nach einem plötzlichen – geistlichen und meteorologischen – Klimawandel in Israel reichlich verschnupft und lebensmüde in sich zusammensackte.

Die Post von Isebel löste bekanntlich Panik bei ihm aus, und nach dem großen Showdown am Karmel musste er schon wieder in Gottes Zeugenschutzprogramm. Wie drei Jahre zuvor auch schon. Wie für zaghafte Zweckpessimisten üblich, predigte ich also zum Auftakt der neuen Gemeinde in Ibbenbüren nicht voller Begeisterung über Erweckung, blühende Landschaften, oder wenigstens die Liebe zu den Verlorenen, sondern – über die unausweichlichen toten Punkte, die kommen würden.

Als Mitgift von der Muttergemeinde aus Osnabrück brachte ich in meiner pastoralen Fürsorge ein ebenso anschauliches, wie trostreiches Requisit mit: einen elianischen Ginsterstrauch, damit verzweifelte Gemeindegründer einen Ort zum Ausweinen haben. In eine Klarsichthülle gewandet deponierte ich während dieser Predigt sogar einen "Notfallplan für ausgelaugte Diener Gottes" unter dem Grünzeug.

Mein Sträuchlein wurde allerdings schon bald entsorgt: Die Blätter seien giftig, hieß es, eine Gefahr "für kleine Menschen in der oralen Phase". Man kann also ohne Übertreibung von einem Auftakt für die Geschichtsbücher sprechen. Und der Name "Thomas-Gemeinde" passte irgendwie von Anfang an – wie Deckel auf Topf.

Phasen der Gemeindegründung

Diesem Auftakt war übrigens eine einjährige Gebetsphase (2004) und eine ebenso lange Planungsphase (2005) vorgeschaltet, in der vor Gott das "Ob" und anschließend das "Wo" und  "Wie" der Gründung durchgebetet wurde.

Wenn man noch weiter in die pränatalen Phasen dieser Gemeindegründung vordringt, könnte man tatsächlich auf eine Art Empfängnis stoßen, die allerdings wenig lustvoll verlief: Wohl Anfang/Mitte der 90er Jahre fand ein (laut Augenzeugenberichten) einigermaßen verunglückter Hauskreisabend in Mettingen statt, in dem mein Vorgänger Jonathan Lehmann einem größeren (aber gänzlich unvorbereiteten) Hauskreis eröffnete, man könne dort eventuell eine Gemeinde gründen. Die Gruppe verwarf den Gedanken entschieden, einige Teilnehmer distanzierten sich hinterher sogar ganz von dem Hauskreis.

Aber ganz so verunglückt, wie der Abend im ersten Moment schien, war er dann doch nicht. Ende 2003 riefen ich, ein damals wenig visionärer Vikar, und mein Gemeindeleiter, ein Berufsschullehrer, eine Gruppe von knapp 20 Personen zusammen. Wir befragten sie zum Thema Gemeindegründung im Stil eines ostwestfälischen Heiratsantrages: "... und?" Das Echo war überraschend: Die Anregung von Jonathan Lehmann, die Saat jenes Hauskreisabends schien nach etwa acht Jahren aufgegangen zu sein. Jeder der Anwesenden konnte sich vorstellen, an einer Gemeindegründung im nordwestlichen Zipfel von Westfalen mitzuwirken.

Zweifeln und Staunen

"Zweifeln und Staunen", so lautete das Motto der ProChrist-Kampagne vom 19.-26. März, die als Starthilfe für die Gemeindegründung in Anspruch genommen wurde. Dieses Motto passt zum Jünger Thomas, dem Namenspaten der Gemeinde, und zur Geschichte der Gemeinde. Während ich den Ordner mit der Aufschrift "Thomas-Gemeinde" vom Regal hole, fällt mir eine tote Motte entgegen – acht Jahre sind es nun schon her ...

Ich entdecke einige sinnträchtige Bemerkungen in dem ersten Protokoll, das mir in die Hände fällt. Zum Zweck eines Rückblicks entfremde ich diese Zitate aus ihrem Zusammenhang und referiere schlaglichtartig einige Etappen der jüngsten Ibbenbürener Kirchengeschichte:

- "Motivation":

Die Gruppe von 20 erwachsenen Gemeindegliedern, die am 26. Februar 2003 zur Gründung einer Tochtergemeinde ausgesandt wird, ist bis in die Haarwurzeln motiviert. Interessanterweise sind es überwiegend "ältere Herrschaften" zwischen 50 und 60, die sich aussenden lassen: Beruflich und familiär hat man das Gröbste hinter sich und hat noch jede Menge Mut, Kraft und obendrein wertvolle Erfahrung, um etwas zu bewegen.

"... soll gleichartig wie die Andreas-Gemeinde sein":

Bis in die Gestaltung der Räume hinein ist eine Ähnlichkeit zwischen Mutter- und Tochtergemeinde erkennbar. Das sprichwörtliche Rad muss zwar nicht neu erfunden werden – aber es darf zu gegebener Zeit auch alles einmal hinterfragt werden. Die über viele Jahre in Absprachen und Protokollen entwickelte Arbeitsweise der Muttergemeinde bildet der Einfachheit halber die Arbeitshypothese für die Tochtergemeinde und bietet einen erprobten Ausgangspunkt in allen Fragen der äußeren und inneren Architektur der Gemeinde.

"Raumgestaltungsteam":

Die Gründerväter und -mütter der Thomas-Gemeinde sind ausgesprochen patente Mitarbeiter. Leute die zupacken können, und die sich zudem durch eine hohe Strukturiertheit auszeichnen; in der Muttergemeinde sollte sich ihr Fehlen in den Folgejahren noch schmerzlich bemerkbar machen. Andererseits kann die Leitung der Muttergemeinde ruhig schlafen, weil sich das Kernteam der Gründung aus einer soliden, kampferprobten Truppe rekrutiert.

"Dürftige Besetzung":

Musikteam der Thomas-GemeindeIn den ersten Jahren ist die Personaldecke dünn; vor allem bei der musikalischen Gestaltung der Gottesdienste hapert es. Während die Mitarbeiter in der Muttergemeinde nur jeden dritten oder vierten Sonntag für ihre Dienste in Kinderprogramm, Lobpreis, Begrüßungsdienst oder Kaffeeteam eingeteilt sind, müssen die Mitarbeiter der Thomas-Gemeinde jeden zweiten Sonntag, oder an beinahe jedem Sonntag Einsatz zeigen. Nicht zuletzt diese permanente Belastung förderte nach etwa zwei Jahren die Überlegungen, einen Pastor für die Thomas-Gemeinde anzustellen. Dies führt mich zum nächsten Begriff, der allerdings vollständig und nicht von ungefähr im vorliegenden Protokoll fehlt.

"Ideen":

Wenn man es in ein Wort fassen kann, was Michél Malcin seit dem Beginn seines Pastorats am 1.1.2009 in die Thomas-Gemeinde eingebracht hat, dann in dieses: "Ideen". Der Ehemann von Maria und Vater von Mose, Elia und – seit jüngstem – Zipporah Grace ist ein Mann der Einfälle und der kreativen Gestaltung. Internetseiten, Flyer, Veranstaltungen, Konzerte, Predigtserien, Videoclips: Mein Lieblingskollege von jenseits der A1 beweist ein unglaubliches Händchen für all diese schönen Dinge und bringt zugleich eine hohe Energie und Eigenmotivation mit, Dinge auf den Weg zu bringen. Genau der richtige Mann, um die Gemeindegründung in einem Ort bekannt zu machen und Menschen zu gewinnen.

"Belonging before beleaving":

Es verblüfft mich, dass dieses Motto schon in einem der ersten Protokolle auftaucht. Noch mehr erstaunt es mich, dass hier so etwas wie ein "Freud’scher Verschreiber" vorliegt: Dieser postmoderne Slogan räumt bei der Gemeindeentwicklung dem Zugehörigkeitgefühl von Gästen einen Vorrang ein vor der angestrebten Übereinstimmung mit Glaubensinhalten. Der Verschreiber mogelt unbeabsichtigt die Silbe "leave" hinein – verlassen. "Belonging before believing" muss es heißen – protokolliert wurde aber (in etwa): Zugehörigkeit vor Verlassen – auch dies beschreibt leider treffend ein Kapitel der letzten Jahre Ibbenbürener Kirchengeschichte: Wichtige Mitarbeiter aus dem innersten Kern der Gründungsarbeit, die sich sehr zugehörig gefühlt haben, hatten Mühe mit der jüngeren Entwicklung der Gemeinde und sind auf Distanz gegangen. Hier gab es Entfremdung und schmerzhafte Trennungen.

"Thema Heizung":

Nach den Krisen während der letzten Jahre erhärtet sich bei meinen Besuchen in der Thomas-Gemeinde der Eindruck: Die geistliche und soziale Wärme nimmt zu. Und die Hoffnung wächst, dass das leichte Wachstum, das auch in den letzten Jahren messbar war, deutlich zunehmen wird.

Berührung mit dem Auferstandenen

Kommen wir am Ende dieser Rückschau nochmal zum Namen Thomas und dem Slogan vom Zweifeln und Staunen. Bei einem Mitgliederseminar, das ich vor einigen Jahren für Freunde der Thomas- und der Andreas-Gemeinde hielt, sinnierte ich laut über den zweifelnden Jünger und leitete daraus eine (bisher nicht ausdrücklich formulierte) Vision für die Thomas-Gemeinde ab: "Die Thomas-Gemeinde will für Menschen da sein, die wie der Jünger Thomas nicht leichtgläubig sind, und sie will ..." – an dieser Stelle begann ich aus dem Nichts mit den Tränen zu kämpfen – "... eine Berührung mit dem Auferstandenen vermitteln."

Johannes Euhus ist Pastor der Andreas-Gemeinde in Osnabrück und Ältester des MV-Bundes Weser-Ems

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