MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Der Begriff "Gemeindegründung" wurde für mich das erste Mal im Jahre 2003 mit Leben gefüllt. Ich war mit einer Freundin auf dem Weg in den Urlaub und wir machten in Hamburg bei Regina Gaßmann (Pastorin im Mülheimer Verband) einen Zwischenstopp. Regina erzählte damals begeistert über die Pläne, im Hamburger Stadtteil Barmbek eine neue Gemeinde zu gründen. Mein Herz fing sofort Feuer. Eine Gemeinde neu aufbauen, Strukturen legen, Richtung prägen, Menschen in einem bestimmten Stadtteil in den Fokus nehmen – kann es einen spannenderen Teil der Gemeindearbeit geben? An diesem Abend ganz im Stillen nur zwischen Gott und mir habe ich mir vorgenommen: Sollte meine Gemeinde, die Christus-Gemeinde Mülheim, jemals eine Gemeinde gründen, dann will ich dabei sein.

Auf der MV-Delegiertentagung 2005 wurde das Bibelwort aus Jesaja 54 "Spannt eure Zelte weiter" zu einer Motivation und Zusage Gottes, uns auf den Weg zu machen, weitere Gemeinden zu gründen. Die CG Mülheium (CGM) entschloss sich in der Folge, ebenso wie weitere Gemeinden des Verbandes, eine Tochtergemeinde zu gründen. Schnell schälte sich der Stadtteil Mülheim-Saarn als geeigneter Gründungsort heraus.

Der Stadtteil liegt etwas außerhalb der Mülheimer Stadtmitte. Saarner sagen: "Ich fahre nach Mülheim rüber", wenn sie in die Innenstadt fahren. Außerdem wohnten viele CGM-Mitglieder schon in Saarn, da es dort eine aktive CVJM-Arbeit gab, deren erwachsene Mitarbeiter teilweise schon ein geistliches Zuhause in der CGM gefunden hatten.

Die CGS bei einer Osterfreizeit.

Hauskreise und Freundschaften entstehen

Eine interessante gemeinsame Reise begann. Zunächst fanden Gebetstreffen in unterschiedlichen Orten in Saarn statt. Ein Gründungkreis aus CGM‘lern und CVJM‘lern fand sich und im Jahr 2008 starteten die ersten Gottesdienste. Die Kommunikation dessen, was Gott in Saarn mit und durch uns vor hat, stand im Zentrum dieser Zeit. Immer wieder ging es darum, Standpunkte und Richtungen zu bestimmen. In unseren Hauskreisen saßen neben den Menschen, mit denen ich schon eine ganze Zeit lang Christsein teilte, nun auch neue Freunde. Menschen, die heute zu meinen engsten Freunden zähle, hätte ich niemals kennengelernt, wenn Gott uns nicht gemeinsam in dieses  Abenteuer Gemeindegründung gerufen hätte.

Mit und ohne Pastor

Als Pastor der CGM begleitete Ekkehart Vetter die Gründung der CG Saarn (CGS). Die ersten Entscheidungen wurden vom Gründungskreis in Absprache mit der Leitung der CGM getroffen. Zentraler Kommunikationsort waren die Hauskreise. Dies war jedoch kein Problem, da die kleine Truppe zunächst aus ca. 35 Personen bestand. Erst nachdem die CGS als eingetragener Verein auch rechtlich selbstständig wurde, wurden vor zwei Jahren ein Vorstand und drei Älteste gewählt.

Seit 2011 sind auch Timm und Eva Oelkers bei uns. Timm hatte bereits während seines Bachelorstudiums sein Praktikum in der CGS absolviert. Nun ist Timm als Vikar in der CGS angestellt. Durch die beiden kam noch einmal eine ganz neue Richtung in die CGS. Da Timm insbesondere die Menschen, die Jesus noch nicht kennen, in bemerkenswerter Weise im Blick hat, konnten wir unseren Auftrag in Saarn besser formulieren und ergreifen. "Liebe, Annahme, Heilung" wird Realität im Leben der CGS‘ler, wenn Gott unsere Leben berührt. Was für einen Schatz, den wir an die Menschen in Saarn weitergeben dürfen. Timm macht uns immer wieder deutlich, welches Privileg es ist, diesen Schatz mit Saarn zu teilen.

Auf der Suche nach einer Bleibe

Die ersten Gottesdienste waren eine spannende Angelegenheit. Wir mussten zunächst ein wenig ausprobieren, bis wir unseren eigenen Stil gefunden hatten. Auch die Suche nach einem Gebäude prägte das Gemeindeleben. Zunächst fanden die Gottesdienste im "Bürgersaal" des Stadtteils statt. Von Februar 2010 bis Juni 2013 feierten wir dann sonntags mit durchschnittlich 50 Erwachsenen und 10 Kindern unsere Gottesdienste in einem Tanzcenter.

Gottesdienst im Tanzcenter

Im Sommer 2013 war es dann endlich so weit -  der Umzug in neue ausschließlich von uns genutzte Räume stand bevor. Nun "wohnen" wir in einem kleinen Gewerbegebiet in Saarn. Nach einigen Monaten der Renovierung und des Umbaus können wir uns in einem Gottesdienstraum mit offenen Bistro, einer Küche, einem Mehrzweckraum und drei Kinderräumen sonntags und auch unter der Woche richtig wohlfühlen.

Osterfreizeit – eine Herzensangelegenheit

Kann man nach fünf Jahren schon von einer Tradition sprechen? Ich glaube ja, denn die Osterfreizeit ist eine solche liebgewonnene Tradition geworden. Dieses Jahr fahren wir mit 90 Personen nach Radevormwald, um gemeinsam die Ostertage zu verbringen. In diesem Tagen erleben wir als Gemeinde, wie gut es tut, gemeinsam Gottes Nähe zu suchen und nach seinen Plänen für das eigene und gemeindliche Leben zu fragen. "Leben teilen" bekommt über die Ostertage neue und tiefere Bedeutung. Dieses Jahr wünschen wir uns, dass dadurch mehr Menschen den Platz in der CGS finden, an dem Gott sie gebrauchen möchte.

Familien, Singles, Ehepaare - die Mischung macht‘s

Obwohl die CGS mit 47 Mitgliedern keine große Gemeinde ist, besteht sie dennoch aus sehr unterschiedlichen Menschen. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass wir aus vielen jungen Familien bestehen und das ist sicherlich auch richtig. Unsere Kinderkirche – die STARS – wird wöchentlich von 20-25 Kindern besucht. Und da Kinder naturgemäß ein bisschen lebhafter sind als Erwachsene, fällt der Blick zunächst auf die Kinder.

Lernt man unsere Gemeinde jedoch ein bisschen besser kennen, wird schnell klar, dass in den Reihen ebenso Singles und Ehepaare sitzen. Wenn man mich fragen würde, wie die CGS ist, denn würde ich vor allem eins sagen: "Ganz unterschiedliche Menschen, auf dem Weg Liebe, Annahme und Heilung zu erleben und in den Stadtteil Mülheim-Saarn zu tragen."

Noch einmal Gemeindegründung?

"Gemeindegründung" – dieses Wort hat für mich immer noch die gleiche Faszination, wie vor acht Jahren am Mittagstisch in Hamburg. Es hat ein paar Facetten mehr bekommen, aber nichts von der Aufregung, Gemeinde immer wieder zu überdenken und relevant für die Menschen zu machen, eingebüßt. Würde ich wieder das "warme Nest" der Muttergemeinde verlassen, um einen Neustart mit einer Truppe von Menschen zu wagen? Ja klar!

Anna TroostAnna Troost, 30 Jahre, Gymnasiallehrerin für evangelische Religion und Mathematik, lebt in Mülheim-Saarn

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