MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Am 9. September 2010 flogen drei Mitglieder der Indonesien-Kommission des Mülheimer Verbandes (MV) nach Jakarta. Ziel der Reise von Ingo Bröckel, Matthias Pache und Reinhold Sommer war die Festigung der Beziehung zur MV-Partnerkirche Gereja Gerakan Pentacosta (GGP) in Indonesien. Ebenfalls mit zum Reiseteam gehörte die Indonesierin Patricia Toisuta aus der Paulus-Gemeinde Bremen, die als Übersetzerin fungierte. Reinhold Sommer berichtet folgend von den vielfältigen Eindrücken und Erlebnissen:

Vor uns lag eine sehr erlebnisreiche Zeit. 13 verschiedene Betten warteten auf uns, meist nur für wenige Stunden. Um die riesigen Entfernungen innerhalb des indonesischen Inselreiches zu bewältigen, nutzten wir acht Inlandflüge. Insgesamt starteten und landeten wir 14 Mal. Nach drei intensiven Wochen sind wir nun wieder zurück zu Hause in Deutschland.

Das Bild des Leuchtturms

Unsere Aufgabe war es, die Partnerschaft zur GGP und ihren Menschen in Indonesien zu stärken. Dabei traten wir aufgrund unserer Kommissionszusammenstellung als Menschen aus drei Generationen auf, was die indonesischen Mitchristen sehr beeindruckte. Trotz unserer Unterschiedlichkeit brachten wir uns untereinander große Wertschätzung entgegen, sodass wir eine sehr gute Reisegruppe bildeten. Eine besondere Hilfe war dabei Patricia, die nicht nur wortreich übersetzte, sondern uns auch am Leben hielt mit Wasser, Feuchttüchern, Überraschungen, dem Angebot, unsere nassen Hemden zu waschen, usw. Einfach schön. An dieser Stelle vielen Dank an Patricia.

Um die MV-Partnerschaft zur GGP zu verdeutlichen, benutzten wir bei unseren Besuchen das Symbol des Leuchtturms. In der Mitte des Leuchtturmsockels war der Name Jesus eingraviert, basierend auf Jesu Worten: "Ich bin das Licht der Welt" (Joh. 8,12). Links davon stand "MV" für den Mülheimer Verband und rechts "GGP" für die indonesischen Christen. Das sollte verdeutlichen, dass Jesus uns verbindet. Darunter stand: "Light of the world." Weil Jesus auch gesagt hat: "Ihr seid das Licht der Welt" (Matth. 5,14). Mit warmen Worten ermutigte ich die Indonsier immer wieder, die Partnerschaft in diesem Sinne zu leben – wir in Deutschland, sie in Indonesien. Dann übergaben wir einen solchen Leuchtturm jeweils dem verantwortlichen Pastor. Wenn es möglich war, mit einem brennenden Teelicht und bei ausgeschalteter Raumbeleuchtung.

Reinhold Sommer und der Leuchtturm

Gesichter der Partnerschaft

Natürlich gehörten auch einige Kommissionssitzungen mit den indonesischen GGP-Leitern zu unserem Auftrag. Es wurde über Finanzen und mögliche Projekte gesprochen. Außerdem wurde gelehrt und gepredigt. Aber was macht solch eine Reise neben all dem ganz besonders und schön?

  • Am Flughafen in Manado/Sulawesi wurden wir vom Flughafen abgeholt. Im Auto des Pastors hing ein Leuchtkreuz mit deutscher Aufschrift. Und der Pastor namens Stany sagte mit strahlenden Augen. "Das hast du mir 1997 geschenkt." Partnerschaft unter dem Kreuz!
  • Am Rande von Jakarta besuchten wir eine Gemeinde. Der Hauptpastor zeigte uns den Rohbau seiner neuen Kirche für 1.000 Menschen. Dann trat ein junger Mann zu mir und sagte: "Kennst du mich?" Ich antwortete: "Nein." Er daraufhin: "Du hast mich drei Jahre als PIM-Partner auf der Bibelschule unterstützt. Jetzt bin ich in dieser Gemeinde einer der Co-Pastoren." Er ist verheiratet und in wenigen Wochen erwarten sie ihr erstes Kind. Er nahm mich in den Arm und tauchte an diesem Abend immer wieder an meiner Seite auf, bis wir uns herzlich verabschiedeten. Das ist mehr als Partnerschaft!
  • Wir besuchten die Bibelschule STTP Moab. Ich hatte mein Bett im Haus eines Bibelschullehrers gefunden. Es war das Ehebett. Sie schliefen im Wohnzimmer. Die Wände waren nur eine Brettdicke stark, aber schon mit Papier "tapeziert", damit man nicht durch die Ritzen sehen konnte. Nachts schreckte ich plötzlich auf. Unüberhörbar rief die Stimme des Muezzin vom Minarett zum Gebet. Die Nacht war vorbei. Es war 4 Uhr 30. In die daraufhin eingetretene Stille hörte ich eine Frauenstimme. Es war Jolly, meine Gastgeberin. Sie betete bis 5 Uhr. Dann schloss sich ihr Mann an. Was sollte ich anderes machen? Ich betete auch. Partnerschaft im Gebet!
  • Und nicht zuletzt war da die Begegnung mit Pastor Philippus. 1997 hatten wir ihn mit lachendem Gesicht als Gemeindegründer im Urwald von Kalimantan kennengelernt. Ich erinnerte mich gleich an seine kleine Buschkirche am Mohakam, seine Gummibäume und das Messer mit dem er den Kautschuk zum Fließen brachte. Seine Frau zeigte uns damals die "offene Laubenwohnung" im Wald. Jetzt war er zur GGP-Delegierten-Versammlung (Sidang Raya) nach Jakarta angereist und wir lagen uns in den Armen. Seine Gemeinde hat inzwischen 90 Mitglieder. Die Familie ist auf sieben Personen angewachsen. Sein Lächeln war nicht erloschen. Wir sind unter der segnenden Hand Gottes. Partnerschaft in großer Dankbarkeit!
  • SlumgebietWir befanden uns in Bandung in einem Hotel. Durch das Fenster blickte ich auf den Compound (Slumgebiet) auf der anderen Straßenseite. Frühmorgens machte ich mich auf den Weg. So lebten also die Armen in der drittgrößten Stadt Indonesiens. Ich machte viele Bilder und trank Tee und aß Gebackenes mit den Menschen. Sie führten mich durch die engen verschlungenen Gassen zur Moschee und brachten mich wieder zum Hotel zurück. Jemand gab mir seine Adresse. Dorthin werde ich die Fotos schicken. Und was habe ich mit Erstaunen festgestellt? Ein großer Teil der Hütten stand auf einem christlichen Friedhof. Das Zeichen des Kreuzes sagte mir, dass hier meine Brüder und Schwestern beerdigt wurden. Eine Inschrift war vom März 2010. Inmitten von spielenden Kindern, unter der Wäsche, welche die Frauen aus dem Waschhaus der Sonne aussetzten. Ein Grab war mit einem in Stein gemeißelten Buch verziert. Da stand ein Bibelvers aus Phil. 1,21. "Denn Christus bedeutet für mich alles. Er ist mein Leben. Deshalb kann das Sterben für mich nur Gewinn sein." Das ist mein Spruch, dachte ich: Partnerschaft über
    den Tod hinaus!

Abschied aus Jakarta

Nun sind wir wieder zurück. Nicht ohne einen beeindruckenden Abschied auf der Sidang Raya in Jakarta. Hunderte waren aus dem gesamten Archipel angereist. Wir mussten zum Abschied noch einmal auf die Bühne. Ingo Bröckel als unser Kommissionsleiter sagte Abschiedsworte, es wurde füreinander gebetet und bewegende Abschiedsszenen ergaben sich. Es war schwer, die Autos zu erreichen, die vielen Fotografiewünsche zu erfüllen und all die Hände zu schütteln, die sich noch einmal ausstreckten.

Ja, es ist wirklich so: Es ist mehr als eine formelle Partnerschaft und viel mehr als ein Zweckbündnis gewachsen. Wir haben Freunde gewonnen.

Reinhold SommerReinhold Sommer
Mitglied der MV-Gemeinde in Bad-Malente und gehört seit vielen Jahren zur MV-Indonesien-Kommission

Der Bericht erschien zunächst in der gemeinde KONKRET und kann als PDF herunter geladen werden:

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