MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Kaum war der Terrorchef Osama bin Laden erschossen, meldete sich der radikal-islamistische Prediger Abu Bakar Bashir aus Indonesien zu Wort und kündigte den USA eine harte Bestrafung an. Die Regierung in Washington versetzte ihre diplomatischen Vertretungen in höchste Alarmbereitschaft. In diesem Indonesien mit seinen 240 Millionen Einwohnern, von denen sich 88 Prozent zum Islam bekennen, ist die Partnerkirche des Mülheimer Verbandes, die Gereja Gerekan Pentakosta (GGP) zu Hause.

Uns begegnet Toleranz

Am 10. September, zum Abschluss des Ramadan, treffen wir in Jakarta ein. Noch am gleichen Abend werden wir von Jusuf Habibie, dem Ex-Präsidenten von Indonesien, zu einem "open house" eingeladen, das er zum Abschluss des Ramadan in seinem Privathaus feiert. Wir kommen zu dieser Ehre, weil die Eltern unserer Übersetzerin Patricia Simandjuntak Freunde des Ex-Präsidenten sind. Habibie hat lange Zeit mit seiner Familie in Deutschland gelebt und in Köln studiert - er spricht daher hervorragend Deutsch. Wir sind beeindruckt und es ist uns eine Ehre, ihn kennen zu lernen. Nach Empfang mit leckerem Essen und hochrangigen indonesischen Persönlichkeiten stellen wir fest: Indonesien hat erstaunlich viele tolerante Menschen.

Vier Tage später wollen wir nach Sumatra. Auf dem Flughafen in Jakarta überrascht mich ein "Blickfang-Regal" am Eingang der Buchhandlung. Jede Menge christliche Bücher! Von Mutter Teresa bis Joyce Meyer. Christliche Literatur wird hier nicht unter dem Ladentisch verkauft!

Der Islam markiert Riau

Nach zweistündigem Flug landen wir in Bankubaru, wo uns unsere Brüder mit ihren Autos erwarten. Die aufstrebende Provinz Riau wollen wir erreichen. Vier Stunden Fahrt liegen vor uns. Plötzlich staunen wir: Ein gewaltiges "Straßentor" - im Profil wie eine Moschee - überspannt die Hauptstraße auf Sumatra. Kilometer weiter, rechts, einsam und verlassen, ein großer Bau: ein Schwimmbad. Irgendwo am Weg ein Verwaltungskomplex, super modern in der Einsamkeit. Als Krönung sehen wir abseits der Hauptstraße eine riesige Moschee mit vier Minaretten, ähnlich der blauen Moschee in Istanbul. Alles nicht von der Regierung gebaut, aber für die Zukunft. Riau ist eine islamische Provinz geworden.

Straßentor vor Riau

Religionsfreiheit bedroht

Die "Gesellschaft für bedrohte Völker" schreibt: "Die Religionsfreiheit in Indonesien ist in akuter Gefahr. Im Jahr 2010 habe sich die Zahl der Übergriffe vervierfacht. Auch in diesem Jahr hat es schwere Ausschreitungen gegeben. Im Februar 2011 wurde ein Christ wegen angeblicher Blasphemie zu fünf Jahren Haft verurteilt. Auf der Insel Java wurden drei Kirchen niedergebrannt." Die evangelische Missionszeitschrift "In die Welt, für die Welt", deren Mitarbeiter auch in Indonesien tätig sind, titelt: "Ende der Toleranz? Wie der politische Islam Indonesien zu verändern sucht."

Lange Zeit galt Indonesien als Beispiel für religiöse Toleranz und Vielfalt. Der Einfluss der alten auf Harmonie bedachten Tradition machte den Islam in Indonesien offen und tolerant, islamischen Fundamentalisten ist dies ein Dorn im Auge. Schon seit Jahren versucht der Rat der indonesischen Religionslehrer, MUI, die in der Verfassung verankerte Religionsfreiheit auszuhebeln. 2005 erklärte er in einer Fatwa, einem islamischen Rechtsgutachten, Pluralismus, Säkularismus und Liberalismus als unvereinbar mit dem Islam. Es gibt nur ein Problem für den Rat: Seine Anordnungen haben keine juristische Relevanz.

Prägung der Jugend

Langfristig investieren diese islamischen Fundamentalisten viel in die Erziehung der Jugend. Allein auf Java gibt es etwa 14.000 Pesantren, islamische Internate, die immer mehr unter arabischen Einfluss geraten, weil von dort viel Geld fließt. In die andere Richtung schreibt sich eine wachsende Zahl indonesischer Studenten an arabischen Universitäten ein: Medina und Kairo liegen im Trend. Schon jetzt werden das Banken- und Gesundheitssystem immer mehr nach islamischen Prinzipien ausgerichtet und nicht-islamische Persönlichkeiten systematisch aus Führungspositionen herausgedrängt.

Moschee in Riau

Kirche im Untergrund?

Auf die Frage nach ihrer größten Not antwortet Henky Benaja, der Präses der GGP: "Wir leiden darunter, so wenige Kirchen mit offizieller Genehmigung bauen oder kaufen zu können. Die Gesetzeslage verhindert es. Wir sind zwar in der Ortschaft oder Stadt anerkannt und respektiert, aber viele Gemeinden haben keine offizielle Genehmigung."

Gutes Miteinander

Am 14. Tag unserer Indonesienreise landen wir, von einem Besuch bei Gemeindegrüdern auf Bali kommend, in Surabaja auf Java. John Massie, der Regionalleiter unserer Partnerkirche, und seine Frau Grace holen uns vom Flughafen ab. Ziel ist die Abendveranstaltung der Galiläa-Gemeinde von Pastor Rofie. Weil der Flug eine Stunde Verspätung hat, kommen wir trotz rasanter Fahrt viel zu spät in das Dorf und alle warten schon lange auf uns.

Wie sich im Laufe des Abends herausstellt, findet hier ein Dankesfest mit Lunchpaketen für jeden Teilnehmer der Party statt. Gefeiert wird die gute Zusammenarbeit zwischen Moslems und Christen zum Wohle des Dorfes. Unbedarft bezeugen wir fröhlich unseren Glauben und Matthias stellt unsere Gruppe vor. Ich freue mich über die erste Galiläa-Gemeinde, der ich begegne. Denn: In Galiläa war Jesus zuhause. Hier wurden die ersten Jünger berufen. Hier begann der Siegeszug des Evangeliums. Ein kleiner Leuchtturm als Symbol der Partnerschaft zwischen Mülheimer Verband und der Galiläa-Gemeinde wechselt den Besitzer und Ingo Bröckel predigt über das Gute am Evangelium.

Einander ehren und achten

Vertreter der Indonesienkommission (links Reinhold Sommer), der Imam, der Bürgermeister und Pastor RofieAls wir fertig sind, ergreift der Bürgermeister das Wort, ein sympathischer Muslim. Er ruft aus, dass alle Religionen gleichwertig sind und wir uns ehren und achten müssen. Nach dem offiziellen Teil des Festes gibt es "shake-hands" und viele Fotos. Wir stimmen den Worten des Bürgermeisters zu, versichern, dass wir alle Menschen ehren und achten, ein entspanntes Gemeinschaftsmahl beginnt. Irgendwann verabschieden wir uns herzlich und die Autos starten in die Nacht.

Pastor Rofie - Liebe überzeugt

Am nächsten Tag bewegt uns die Frage, was es mit Pastor Rofie und der Gründnung der Galiläa-Gemeinde auf sich hat. Matthias Pache erhält die Gelegenheit, ihn zu befragen. Hier aus seinen Notizen: "Nach dramatischer Vorgeschichte besuchte er unsere Bibelschule STTP Moat. Während seines Praktikums auf Kalimantan kristallisiert sich heraus, dass er ein Herz für Muslime hat. Daher hat er auf der STTP noch Islamologie studiert und sich nach Surabaja berufen lassen. In einem kleinen Dorf G. hat er angepasst gelebt, zum Beispiel auch Kopfbedeckung und Kleidung wie die Muslime getragen."

Die Geschichte geht weiter: Rofie schenkte dem Dorf einige Ziegen. Er zeigte ihnen, wie man gute Boote und eine stabile Dorfstraße baut und zeigte sich durch sein Wissen als Führungspersönlichkeit, der ihnen Gutes tat und diente. So gewann er die Herzen und das Vertrauen der Dorfbewohner und sie kamen immer öfter, um seinen Rat zu erfragen. Durch diese Anerkennung des Dorfes wurde er zum "zweiten Mann" des Dorfes.

Irgendwann geschah das erste Wunder: Ein Kind zog sich durch ein schlechtes Fahrrad eine schwere Schnittwunde zu. Das Kind blutete stark und Rofie betete für es. Hinterher konnten die Ärzte nichts feststellen, und das Dorf merkte, dass Gebet zu Jesus hilft. So entstand die Gemeinde mitten in einem muslimischen Dorf.

Wir besuchen noch viele Gemeindegründungen - sie sind alle so unterschiedlich und schön. Aber Rofies Gemeinde im Dorf G. prägt sich ganz besonders ein.

"Wirkt, solange es Tag ist!"

Bürgermeister und Pastor RofieWas immer in Indonesien geschieht, was sich auch am Horizont zeigt, uns gilt das Wort: "Wirkt, solange es Tag ist!" Pastor Rofie lebt das in Ostjava. Er hat viele Brüder und Schwestern in Indonesien, und sie sind auch die unsrigen - wir wollen sie unterstützen. Helft uns dabei!

Reinhold Sommer
Mitglied der MV-Indonesienkommission

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