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Mülheimer Verband Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden

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oben: J. Paul
unten: E. Humburg mit Ehefrau

Die Geschichte des Mülheimer Verbandes

Ende des 19. Jahrhunderts erkannten Christen die Verrationalisierung und

Verflachung ihres Christseins. Das Verlangen nach einem kraftvollen, geheiligten

Glaubensleben brach auf. Gott antwortete auf das Gebet vieler Christen mit neuer

Wirksamkeit des Heiligen Geistes, die sich in Erweckung, Lebenserneuerung und

Entfaltung geistlicher Gaben manifestierte. Die Pfingstbewegung entstand.

 

Die Geschichte des Mülheimer Verbandes beginnt mit dem geistlichen Aufbruch, den

Gott 1905 in Mülheim a.d.Ruhr schenkte. Er wirkte in den Zusammenkünften, die

von einer Aktionsgemeinschaft von Laien und Pastoren (Moderson, Girkon, Vetter,

Paul, Humburg u. a.) aus Landeskirchen, Freikirchen und Gemeinschaften getragen

wurde. Etwa dreihundert Gläubige fanden in der Christlichen Gemeinschaft Mülheim

a.d.Ruhr ihre geistliche Heimat. In vielen Gebieten Deutschlands entstanden

„erweckte" Kreise. Einige Gemeinden unseres Verbandes wurden im Zeitraum

zwischen 1905 und 1908 gegründet.

 

Anfänglich empfand man sich als einen Reformimpuls innerhalb der etablierten

Kirchen. Durch die Betonung der Wirksamkeit des Heiligen Geistes nach den

Leitlinien des Neuen Testaments kam die Bezeichnung „Pfingstler" sowohl im

positiven wie im negativen Sinn auf. Die Vertreter dieser Kreise aus Deutschland und

Europa trafen sich 1908 erstmalig auf der Hamburger Dezemberkonferenz.

 

Das Jahr 1909 lenkte die Entwicklung der deutschen Pfingstbewegung in eine

entscheidende Richtung. Im Sommer begann die Reihe der Mülheimer Konferenzen,

zu denen von Anfang an viele Gläubige kamen. Mißverständnisse,

Fehlinterpretationen und Wächtereifer führten bei manchen Gemeindeleitern und

Christen zu einer ablehnenden Haltung. In der „Berliner Erklärung" (1909)

distanzierten sich etwa sechzig verantwortliche Leiter der Gnadauer

Gemeinschaftsbewegung und der Evangelischen Allianz von der Pfingstbewegung.

Sie bezeichneten den dort wirkenden Geist als „von unten". Trotz der Mülheimer

Antworterklärung (1909), die sich zwar einerseits zu den Versagensmomenten in den

eigenen Reihen bekannte und die eigene Korrekturwilligkeit betonte, andererseits

aber von dem Echtheitsgehalt des Geisteswirkens keine Abstriche machen konnte,

kam eine tragfähige Annäherung nicht zustande. Damit wurde für die Existenz der

abgetrennten Kreise eine gewisse Strukturgrundlage notwendig. 1913 konstituierte

sich, da man an eine endgültige Trennung nicht glaubte und deshalb die

Körperschaftsrechte nicht anstrebte, der Dachverband „Christlicher

Gemeinschaftsverband Mülheim an der Ruhr" als GmbH.

 

In den Jahren vor und besonders nach dem Ersten Weltkrieg entstanden vielerorts

neue Gemeinden mit eigenen Gemeindehäusern. Größere Regionen bildeten Bünde.

Der „Hauptbrüdertag", der 1911 erstmals als gesamtdeutsche Leiterkonferenz in

Berlin zusammengetreten war, entwickelte sich zur leitenden Instanz der Bewegung.

 

Der Zweite Weltkrieg brachte dann den Verlust blühender Arbeiten in den

Ostgebieten. 1951 wurde den Gemeinden in der damaligen DDR die

Versammlungserlaubnis entzogen. Im Westen ging die Arbeit positiv weiter.

Gemeindeglieder aus den Ostgebieten und volksdeutsche Flüchtlinge fanden hier

eine geistliche Heimat.

 

Das eigene Freikirchenbewußtsein profilierte sich mehr und mehr, wohl auch deshalb,

weil alle Bemühungen, den „Berliner Graben" zu überbrücken, erfolglos blieben.

 

1970 wurde der MV als Gastmitglied in die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in

Deutschland aufgenommen. An vielen Orten intensivierte sich die Zusammenarbeit

auf der Ebene der Deutschen Evangelischen Allianz. 1978 konnte der MV in

Niedenstein bei Kassel ein eigenes Begegnungszentrum einweihen. Geschäftsstelle

und Verlag wurden dorthin verlegt. 1981 brachte einen weiteren Akzent für die

wachsenden zwischenkirchlichen Beziehungen: Der MV trat der Vereinigung

Evangelischer Freikirchen als Gastmitglied bei; zehn Jahre später wurde er

Vollmitglied. Von den evangelischen Freikirchen kam dann auch achtzig Jahre nach

Unterzeichnung der Berliner Erklärung der erste Schritt zu ihrer Überwindung, indem

sie erklärten, daß für die Kreise unseres Verbandes die darin gemachten Aussagen

nicht mehr zutreffen.

 

 

 


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