Indonesienreise 2006

Wie ich die indonesische MV-Partnerkirche erlebt habe
von Sabine & Ekkehart Vetter
Berichte aus Indonesien verfolgen wir in Familie und Gemeinde bereits seit Jahrzehnten, doch nun habe ich die Partnerkirche des Mülheimer Verbandes (MV), die Gereja Gerakan Pentacosta (GGP) in Indonesien das erste Mal selbst live erlebt.
Anlass meines Besuches als MV-Präses zusammen mit meiner Frau Sabine im Juli 2006 war die „Sidang Raya XII“ der GGP (ähnlich der MV-Delegiertentagung), die auf Grund des für die Kirchenverantwortlichen hohen Reiseaufwandes in Indonesien nur alle fünf Jahre stattfindet. Tagungsort war das Bibelschulzentrum STTP in Mooat (Nord-Sulawesi).
1. Die GGP im Spannungsfeld von etab-lierten Gemeinden, Gemeindegründungen und moslemischem Druck
Fährt man durch Nord-Sulawesi, so begegnet man „etablierter“ GGP. In diesem Landesteil mit hohem christlichen Anteil in der Bevölkerung gibt es Landstriche, in denen in jedem Dorf mindestens eine, manchmal mehrere GGP-Gemeinden sind. Auch wenn diese Gemeinden nicht in unserem Sinne wohlhabend sind, machen sie einen etablierten Eindruck, vom Gebäude bis hin zum Gottesdienst. Hier liegt der zahlenmäßige Schwerpunkt der über 300 GGP-Gemeinden Indonesiens.
Anders sieht es um Makassar (Süd-Sulawesi) aus: Ein schöner, lebendiger Gottesdienst – doch wenn alles zu Ende ist, wird die Zufahrt zum Gemeindezentrum mit einem riesigen Eisentor verschlossen. Hier bilden Christen eine kleine Minderheit. Auch wenn das gottesdienstliche Leben nicht direkt beeinträchtigt wird, symbolisiert das Eisentor die Furcht von islamisch motivierten Übergriffen.
Oder: In Bogor auf Java, wo Christen prozentual eine kleine Minderheit darstellen, besuchen wir eine ca. 150 Personen große Gemeinde. Von außen ist nicht ansatzweise erkennbar, dass sich hinter den Mauern ein Kirchengebäude befindet.
Aber auch das ist GGP: Eine Stunde Klettertour im heruntergekommenen Mitsubishi-Bus (in Deutschland bereits seit 10 Jahren durch den TÜV ausgemustert!) – und man trifft auf sehr arme, aber werktags vormittags (wegen der deutschen Gäste) fröhlich versammelte Gemeinden, in denen Kinder die Mehrheit bilden. Gastfreundschaft wird groß geschrieben. Neben dem überall in Mengen vorhandenen Reis musste unseretwegen sicher so manches Schwein sein Leben lassen…
Und dann sind da die interessanten Gemeindegründungsprojekte in und um Medan auf Sumatra. Hier sind Moslems und Christen in der Bevölkerung etwa zu gleichen Teilen vertreten. Doch wie auch in Deutschland sind viele Christen eher nominelle Christen. Die Muttergemeinde ist auch noch jung. Erst seit 10 Jahren existiert die Bethlehem-Kirche in Medan unter dem quirlig fröhlichen Pastor Philipps.
In den Randgebieten dieser nur im Zentrum sehr wohlhabenden Stadt gibt es gleich sechs junge und neu startende Gemeinden, alle nicht älter als 3 – 5 Jahre. Wir fahren in ärmliche Stadtrandgebiete und begegnen sehr einfachen, aber motivierten Christen, die Gemeinde bauen wollen. Sie erzählen uns auch von dem Druck, den ein neues Gesetz der indonesischen moslemischen Regierung auf Christen machen soll. Erst Gemeinden ab 90 Mitgliedern und mit nachweislich nachbarschaftlicher Zustimmung durch 60 Unterschriften sollen eine Registrierung erhalten. Die Umsetzung des Gesetzes würde das Aus für viele GGP-Gemeinden inklusiv aller Gemeindegründungsprojekte bedeuten. Wie hält man diesem wachsenden Druck durch die moslemische Regierung stand? Pastor Philipps löst es so: „Don´t worry! God cares!“ (Macht euch keine Sorgen! Gott sorgt für uns!)
2. Die STTP – Bibelschule
An verschiedenen Orten des Landes wird durch die GGP theologische Ausbildung angeboten. Das Zentrum ist jedoch die STTP auf Nord-Sulawesi. Beeindruckt hat mich dort das relativ hohe Niveau der fünfjährigen Ausbildung in Theorie und Praxis. Höhepunkt unseres Besuches der Bibelschule war die Teilnehme an der Graduierung von ca. 15 Theologiestudenten, Frauen und Männer.
3. Nias, eine Insel nach Tsunami und Erdbeben
Die 240 km lange und 80 km breite Insel Nias (800.000 Bewohner) ist Sumatra vorgelagert. Sie war direkte Zielscheibe des großen Tsunamis Ende 2004 und eines Erdbebens im März 2005. Schon die Zahl der Todesopfer macht deutlich, welche der Katastrophen für Nias schlimmer war. Der Tsunami traf „nur“ die dünn besiedelte Küstenregion zum indischen Ozean und kostete ca. 250 Menschen das Leben, das Erdbeben erschütterte die ganze Insel und hatte ca. 1000 Todesopfer zur Folge. Knapp eineinhalb Jahre nach dieser letzten Katastrophe sieht man auf Nias alles: Noch stark vom Erdbeben gezeichnete, unbewohnbare Gebäude, Auffanglager für Obdachlose, wo Menschen in Zelten des UNHCR und anderen Hilfsorganisationen leben; eine rege Bautätigkeit nach den Erdbebenschäden und auch bereits eine Reihe neuer, oft durch Hilfsorganisationen errichtete Wohngebäude.
Ein junger Familienvater ganz im Süden der Insel, den wir beim erfolglosen Fischen beobachten, lädt uns ein, sein vom Erdbeben geschädigtes Haus anzusehen. Es steht zwar, aber die Schäden sind unübersehbar. Keine deutsche Behörde würde dafür eine Nutzungsgenehmigung erteilen. Am Ende des Besuches fragen wir, ob wir für ihn und seine Familie beten dürfen. Dies nehmen sie gern an. Es herrscht große geistliche Offenheit im Land. Wir besuchen ein Kinderheim für Kinder, die durch Tsunami oder Erdbeben elternlos geworden sind. Fröhliche Kinder und motivierte Mitarbeiter bilden das Kontrastprogramm zu den Auswirkungen der Katastrophe. Als MV haben wir dieser unabhängigen Initiative von Christen bereits finanziell unter die Arme gegriffen.
Auf Nias gibt es zwei GGP-Gemeinden. Beide liegen recht abgelegen im Dschungel dieser Tropeninsel. Da viele Brücken durch das Erdbeben zerstört wurden, machen die Behelfsbrücken die Flussüberquerung zum Abenteuer für uns. Wir bewundern die Meisterleistung unseres Fahrers!
Eine Dschungelgemeinde erwartet uns bereits. Das vorhandene Kirchengebäude ist eng. Stolz zeigen uns die Männer der Gemeinde den begonnenen Kirchenneubau: Jeder Stein wird selbst gefertigt und gebrannt. Wir bekommen eine zehnminütige Einführung, wie das praktisch geschieht. Das benötigte Holz gibt der tropische Urwald her. Die Frauen der Gemeinde begrüßen uns mit dem Grundnahrungsmittel der Insel: der Durian-Stinkfrucht („Smells like hell, tasts like heaven!“ – stinkt wie die Hölle, schmeckt wie der Himmel)
Und wieder erleben wir fröhliche Gottesdienste, urwüchsige Menschen, jede Menge Kinder, große Armut, herzliche Gastfreundschaft und große Freude über den Besuch aus Deutschland. Viele Menschen auf dieser Insel benötigen dauerhafte Hilfe zur Selbsthilfe, insbesondere Kinder, die einen Elternteil oder beide Eltern verloren haben. Hier sind wir dabei, die im MV gesammelten Tsunami-Hilfsgelder nach und nach einzusetzen.
4. Welche Schwerpunkte erscheinen mir für unser zukünftiges partnerkirchliches Miteinander wichtig?
a) Die geistliche Partnerschaft ist wichtig. Darum braucht es vermehrt menschliche Begegnung und gute gebetsfördernde Kommunikation.
b) Im bevölkerungsreichsten moslemischen Land der Erde sind Christen in einigen Landesteilen unter erheblichem Druck. Vielleicht können wir hier einen weiteren Schwerpunkt geistlicher Unterstützung entwickeln, Gebetspartnerschaften zwischen deutschen und indonesischen Gemeinden aufbauen usw. Ideenreichtum ist gefragt.
c) Die moslemische Mehrheitssituation macht Öffentlichkeitsarbeit, so wie wir sie kennen, oft unmöglich. Missionarische Arbeit geschieht darum sehr ursprünglich, im Vier-Augen-Gespräch, unter Nachbarn usw. Und auf diesem Wege werden Gemeinden gegründet, die oft sehr klein beginnen, als „Hauskirche“ starten, aber prozentual oft steile Wachstumskurven haben. Diese jungen Gemeinden haben unsere Unterstützung viel nötiger, als manche etablierte GGP-Gemeinde.
d) Solide theologische Ausbildung ist wichtig. Hier geschieht bereits sehr gute unterstützende Förderung durch den MV durch das PIM-Patenschaftsprogramm für STTP-Bibelschüler und durch die PIMplus-Patenschaften für neu gestartete junge Pastoren. Unsere Investitionen an dieser Stelle sind gleichzeitig kurz-, mittel- und langfristige Hilfe für die GGP.
Kurzum: Die Entwicklung der Partnerschaft zwischen MV und GGP ist eine geistlich lohnende Investition – für beide Seiten.
Sabine & Ekkehart Vetter
Ein ausführliches Reisetagebuch liegt im PDF-Format vor!
Ein Reisetagebuch online, wahlweise auf deutsch oder english HIER
FOTOS von der Reise sind HIER einzusehen! (Bitte anklicken!)
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