MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

An der jährlichen Delegiertentagung des Mülheimer Verbands (MV) durfte ich als Gast teilnehmen – ein Ergebnis des MV-Treffens beim [Willow-Creek-Leitungskongress] in Hannover, wo ich bei der Bielefelder Crew am Tisch saß und Dirk Bröckel mich fragte, ob ich denn auch zur „DT“ kommen würde – und sich damit als „Türöffner“ für eine völlig unvorhersehbare Perspektive betätigte.

Nun war ich dabei und habe einen tieferen Einblick in die Verbandsstruktur gewonnen, und vielleicht auch etwas „hinter die Kulissen“ der eigenen Gemeinde in Osnabrück geschaut.

Der MV hat 2015 seine aktualisierte „DNA“ in Kraft gesetzt und [veröffentlicht], d.h. sein Leitbild und sein Programm. Nun geht es an die Umsetzung, und das zentrale Thema der DT 2016 war Leitung, Selbstführung, Leiterförderung und geistliche Begleitung. Der MV wird als Dachverband Menpower freistellen, um die Mitgliedsgemeinden bei der Fortbildung ihrer Hauskreis- und Arbeitsbereichsleiter zu unterstützen. Darüber hinaus werden Coaches ausgebildet, damit jeder Leiter, seien es Pastoren/innen oder andere Leitungsfunktionen in den Gemeinden, ein spirituelles Mentoring in Anspruch nehmen kann.

Blick aufs Tagungsprogramm (Foto: Ingo Bröckel)

Pastor Hans-Peter Pache [Lukasgemeinde Berlin] hielt dazu ein persönlich emotionales und daher eindringliches Plädoyer für geistliche Begleitung, spirituelles Mentoring, bzw. er nannte es „Gospel-Coaching“, das jeder Mitarbeiter in leitender Funktion in Anspruch nehmen sollte [Audio-Datei hier]. Besonders den Pastoren/innen legte er es ans Herz. Er hatte einen kleinen Fragebogen dazu unter den Teilnehmern verteilt. Überrascht hat mich, dass ungeniert nach der persönlichen Beichtpraxis gefragt wurde. Das Thema Beichte ist im MV offensichtlich nicht unbekannt und spielt im Zusammenhang mit geistlicher Begleitung eine bedeutende Rolle. Zum Beichtgespräch gehören Bekenntnis und Lossprechung. Es ist nicht nur ein Gespräch über Probleme oder die Bitte um Beratung. Ich weiß, dass Beichte (und auch Krankensalbung) in unserer (bei dieser Tagung selbstständig gewordenen) [Tochtergemeinde] zum offensiv angebotenen Pastoralprofil gehören.

Die DT ist eine Mischung aus der Jahreshauptversammlung des MV als e.V. mit seinen Formalien (Berichte aus den Kommissionen, Personalstruktur, Haushalt usw.), Fortbildungsblöcken mit entspr. Bibelarbeiten, Gebets- und Lobpreiszeiten und abschließender Abendmahlsfeier – ein sehr abwechslungsreiches Programm, dessen spirituellen und gottesdienstlichen Anteil ich in diesem Ausmaß in meinem Berufsleben als Gemeindereferent (bei einem der größten Arbeitgeber Nordwestdeutschlands) nicht erlebt habe. Auch hier ist, wie beim Sonntagsgottesdienst vor Ort, das vernehmliche persönliche Beten und der seelsorgerliche Zuspruch in kleinen Gruppen ein Plus, das in seiner pastoralen Wirkung sowohl hinsichtlich der Zuwendung zum anderen, als auch der eigenen Auferbauung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

Faszinierend für mich war (wiederum) die hohe Professionalität, mit der diese Tagung vorbereitet und durchgeführt wurde, und zwar mit Referenten aus den eigenen Reihen. Die Teilnehmer waren quer durch alle Generationen zusammengesetzt, aber mit eindeutigem Schwerpunkt auf jüngeren Erwachsenen, besonders in der Pastoren/innen-Riege. Der kleine MV mit seinen 4.500 Mitgliedern in 43 Gemeinden konnte 2015 zehn neue Pastoren/innen ordinieren (für deren Besoldung die Gemeinden aufkommen). Zur DNA gehört auch eine Gemeindegründungs-Initiative, die von einer pastoralen Kommission vorangetrieben wird. Ich bekomme „Schmetterlinge im Bauch“ und werde anfragen, ob auch neue Gemeindeformate wie z.B. ein Gebetshaus zu solchen Neugründungen im MV gehören könnten.

Die [Philippus-Gemeinde Bielefeld] hat sich förmlich „die Beine ausgerissen“, um uns in ihren Räumen zu beherbergen und zu bewirten. Zum Standard der DT gehört seit einigen Jahren auch ein „festliches Abendbuffet“, das die Gemeinde mit eigenen Kräften ausrichtete und einige kulinarische Überraschungen bot. Diese leibliche Seite einer Konferenz macht es neben ihrer thematischen Effizienz und ihrer geistlichen Tiefe aus, dass es Highlights gab, die einfach nur wunderschön waren.

Bunt, aber geregelt in Tischgruppen (Foto: Ingo Bröckel)

Was nehme ich mit nach Hause?

  1. Ich konnte ganz viele Pausengespräche führen und neue Kontakte knüpfen. Das ging überraschend leicht. Die Geschwisterlichkeit unter den Teilnehmern und die Gastfreundschaft der Bielefelder haben mich stark beeindruckt.
  2. Leitung und Führung sind mir noch einmal in ihrer Bedeutung als pastorales Handwerkszeug klarer geworden, und zwar vor allem als spirituelle Zuwendung im Gebet von Person zu Person. So kann eine charismatisch neu ausgerichtete Pastoral aussehen, an der sich die großen Konfessionen ein Beispiel nehmen sollten.
  3. Ich fühle mich „im MV angekommen“. Das wird nicht ohne Konsequenzen für meine persönliche Berufung bleiben, in der sich „konfessioneller Brückenbau“ als eine Aufgabe abzeichnet. Für das Engagement in meiner Stadt sehe ich mich jedenfalls insgesamt durch die vielfältigen Geist- und Lernerfahrungen des vergangenen Jahres gut gerüstet.
  4. Ein prophetisches Gebet meines Tischnachbarn hat mich sehr ermutigt, meinen Weg unbeirrt weiter zu gehen. Wieder hörte ich (wie schon einmal ganz eindringlich in der CGM) „fürchte dich nicht“ (im Zusammenhang mit „meinem“ Bibelspruch 2. Tim. 1, 6-7) und dass ich alles dem Wirken des Geistes Gottes überlassen könne: „Du musst überhaupt nichts puschen. Kultiviere Deine Aufmerksamkeit für Ihn. Er wird Dir zeigen, was Du wann tun kannst. Aber dann tue es auch!“

Was werde ich als nächstes tun? Zwar nicht innerhalb von 72 Stunden, aber meinen [Berufungs-Check] werde ich weiter vervollständigen und dann mit meinem Coach besprechen.

(Bernd Steinfeld)

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