MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Ekkehart Vetter begrüßt Thomas Schirrmacher zu seinem ersten Vortrag"Prof. Dr. theol. Dr. phil. Thomas Schirrmacher (geb. 1960) ist Sprecher für Menschenrechte und Vorsitzender der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, die weltweit etwa 600 Mio. evangelische Christen vertritt und Direktor von deren 2006 gegründeten Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn, Kapstadt, Colombo). Er ist auch Geschäftsführer des Arbeitskreises für Religionsfreiheit der Deutschen und der Österreichischen Evangelischen Allianz. Er ist Vorstandsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte.

Schirrmacher ist Professor für Religionssoziologie an der Staatlichen Universität des Westens in Timisoara, Rumänien und Distinguished Professor of Global Ethics and International Development an der William Carey University, Shillong, Meghalaya, Indien. Außerdem ist er Rektor des Martin Bucer Seminars, einer theologischen Hochschule für Berufstätige mit Studienzentren in Bonn, Hamburg, Berlin, Zürich, Innsbruck, Prag und Istanbul und lehrt dort Ethik und Vergleichende Religionswissenschaft." (aus der Kurzbiographie Dr. Schirrmachers unter www.thomasschirrmacher.info).

Die Vorträge können auf dieser Seite jeweils im unter der Überschrift eingefügten Player angehört oder in unserem Downloadbereich heruntergeladen werden.

Vortrag 1: Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt

Dr. Thomas SchirrmacherThomas Schirrmacher nahm in seinem Referat mit hinein in die Geschichte der Menschenrechte und Religionsfreiheit, indem er über die Entstehung und Unterzeichnung eines weltweit beachteten Papiers referierte. Dieses Papier verabschiedete der ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), der Päpstliche Rat für Interreligiösen Dialog (Katholische Kirche) und die Weltweite Evangelische Allianz. Es enthält Empfehlungen für einen Verhaltenscodex mit dem Thema "Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt."

Mit dem Papier will die Weltchristenheit erklären, dass der Vorwurf zwangsweiser Missionierung von Ungläubigen nichts mit dem christlichen Zeugnis zu tun hat. Bemerkenswert ist, dass hier evangelische und katholische "Großkirchen" gemeinsam mit vielen kleinen Kirchen und Verbänden erklären, man wolle den Staat und die Politik nicht dazu benutzen, um jemanden zum Christen zu machen. Glaube sei ein persönliches Vertrauen auf Gott, das man nur freiwillig ergreifen kann. Selbst die katholische Kirche stimmte zu, man könne zwar Menschen taufen, aber das mache sie nicht automatisch zu Christen.

Die Erklärung markiert, so Schirrmacher, eine kulturgeschichtliche Entwicklung, den bewussten Ausdruck eines echten Umdenkens innerhalb der Christenheit und vor allem unter großen Kirchen, die traditionell in manchen Ländern eine große (auch politische) Macht besessen hatten.

Vortrag 2: Fundamentalismus - wenn Religion zur Gefahr wird

Dr. Thomas SchirrmacherChristen sind für "Religion" (d.h. einen Wahrheitsanspruch im geistlichen Sinn), aber auch für Religionsfreiheit. Beides sind wie die zwei Seiten der selben Münze. Thomas Schirrmacher beschreibt, wie Fundamentalismus häufig verstanden, aber wie das Konzept auch missverständlich gebraucht oder sogar missbraucht wird.

Als Christen, so der Referent, sind wir gefordert, der Welt ganz neu zu erklären, welches Bibelverständnis und welche Ethik wir vertreten, damit andere verstehen, dass unser Konzept ein ganz anderes ist als zum Beispiel das des Koran.

Fundamentalismus muss nicht nur Glaube an ein Buch bedeuten - auch wenn ein atheistischer Staat alle Menschen dazu zwingen will, atheistisch zu sein, ist das eine Form des Fundamentalismus.

Vortrag 3: Christenschelte in den Medien - Bedrohung oder Chance?

Dr. Thomas Schirrmacher und Ekkehart VetterWenn in den Medien über das Christenum berichtet wird, kommt das häufig recht bedrohlich daher. Schirrmacher weist in seinem Vortrag jedoch darauf hin, dass die Medien das Denken und Leben der Menschen in Deutschland nicht besonders realistisch widerspiegeln. 90% der Menschen bezeichnen sich in Deutschland als religiös.

In einigen Bereichen, wie z.B. der Wirtschaft, sind Christen recht gut vertreten (so soll jeder Dritte, der einen Preis für die Entwicklung eines neuen Produkts bekommt, ein Evangelikaler sein). Während Politiker im Schnitt weniger christlich geprägt sind, haben viele politische Berater einen gläubigen Hintergrund.

Christen sind aber weniger präsent in anderen Bereichen, so unter Universitätsprofessoren und - eben - im Journalismus. Schirrmacher macht jungen Menschen Mut, diese Felder für sich als Christen zu entdecken. Zudem fordert er dazu auf, als christliche Gemeinden und Verbände in der Presse Stellung zu nehmen, wenn z.B. über Christen berichtet wird. Dies seien gute Gelegenheiten, um die eigene SIcht positiv darzustellen.

Vortrag 4: Und sie lebt doch - Ehe und Familie

Stabile Ehen und Familien üben immer noch eine unglaubliche Anziehungskraft aus. Obwohl wir ein halbes Jahrhundert lang eine Art "Gehirnwäsche" gegen jede Form von Treue erlebt haben, ist der Gedanke, dass es für jeden das Beste wäre, wenn man ein Leben lang treu bleibt, in der Gesellschaft immer noch präsent.

Schirrmacher machte jedoch darauf aufmerksam, dass es auch in den Gemeinden nicht unbedingt ideal aussieht. Als Christen haben wir zu lange erwartet, dass
Aufklärung über Sexualität und Familie durch den Staat (z.B. in den Schulen) geleistet wird. Besonderen Nachholbedarf sieht der Referent an zwei Stellen:

Zum einen haben wir immer nur über die Frage "Wer passt zusammen?" nachgedacht. Heute halten Ehen, aufgrund der langen Lebenserwartung, jedoch viel länger als früher. Daher müssen wir darüber reden, wie zwei Partner sich durch viele Lebensphasen hindurch gemeinsam verändern können.

Zum anderen sollten wir weniger darüber reden, wer was darf und was man nicht machen soll. Es fehlt eine positive Argumentation: dass begeisterte Paare erzählen, wie gut es tut, treu zusammen zu bleiben.

Vortrag 5: Die Unterstützung der Familie als Aufgabe an die Gemeinde

Schirrmacher berichtet von seiner Erfahrung, dass Gemeinden oft Schwierigkeiten haben, über Ehe, Familie u. Sexualität offen zu reden. Gemeindeglieder wahren den "Schein" in der Gemeinde – das "Sein" zu Hause kann ganz anders aussehen. Der Referent weist darauf hin, dass Christen häufig den Zeitgeist von gestern gegen den Zeitgeist von heute verteidigen, anstatt ewige biblische Wahrheiten zu erklären. Vor allem junge Leute wollen wissen, was die Bibel zu solch aktuellen Themen wie "Ehe ohne Trauschein?" oder "Sex vor der Ehe?" sagt. Biblisch gesehen ist die Eheschließung ein nicht wieder rückgängig zu machendes Versprechen zwischen zwei Menschen vor Gott und vor Zeugen, einander ohne Einschränkung treu zu sein, vergleichbar mit dem Bund , den Gott mit uns Menschen geschlossen hat.

Schirrmacher fordert auf, sich von Standarddebatten zu verabschieden (z.B. Berufstätigkeit der Mutter), und vielmehr Seelsorge anzubieten und Lösungen zusammen mit den Ratsuchenden zu erarbeiten, die in ihrem konkreten Fall am besten sind. Man erwartet von der Kirche Kompetenz in den zwei wesentlichen Bereichen des Menschseins: 1. Arbeit und Beruf und 2. Familie, Ehe und Sexualität. Mit diesen schon im Schöpfungsbericht verankerten Themen haben Gemeinden aber oft die größten Schweirigkeiten.

Dabei kann nicht einer alleine alle Fragen und Bereiche abdecken. Daher schlägt Schirrmacher vor, sich gut zu vernetzen, damit Kirchen zu einer Drehscheibe werden, wo Ratsuchende und Rat-Bietende zusammen kommen können.

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