dt 2011 in mülheim

DT 2011:Delegierte entscheiden sich für "Pastorinnen im MV"

Die Pastoren und Delegierten des Mülheimer Verbandes Freikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV) haben eine neue "Leitlinie zum Dienst der Frauen in Verkündigung, Lehre und Leitung in den Gemeinden des Mülheimer Verbandes" beschlossen. Die Entscheidung fiel während der jährlich stattfindenden Delegiertentagung des freikirchlichen Gemeindeverbandes, die vom 5. bis 7. Mai im Gemeindezentrum der zum MV gehörenden Christus-Gemeinde Mülheim stattfand.

Die Leitlinie, die nun jeder MV-Gemeinde die Freiheit lässt, Pastorinnen zu ordinieren und einzustellen bzw. Frauen als Älteste einzusetzen, wurde von den 80 stimmberechtigten Tagungsteilnehmern mit 68 Ja-Stimmen angenommen; es gab neun Gegenstimmen und drei Enthaltungen. MV-Präses Ekkehart Vetter (Mülheim an der Ruhr) begrüßte die eindeutige Entscheidung und machte dabei deutlich, dass die "Frauenfrage" nicht zu den zentralen und heilsentscheidenden biblischen Werten gehöre. Die auch im MV an dieser Stelle vorhandenen unterschiedlichen biblisch-theologischen Überzeugungen dürften die Einheit eines Gemeindeverbandes nicht gefährden. Es sei deshalb wichtig gewesen, zu einer neuen, die Einheit bewahrenden Praxisregelung zu kommen.

Im Jahr 2004 hatte es schon eine ausführliche Diskussion innerhalb des MV über den "Dienst der Frauen in Verkündigung, Lehre und Leitung" gegeben. Damals konnte keine einheitliche biblisch-theologische Festlegung erzielt werden. Die Pro- und Contra-Argumente wurden wechselseitig anerkannt und mündeten in einer Leitlinie mit quasi dem "kleinsten gemeinsamen Nenner": Sowohl Frauenordination wie auch der Dienst einer Frau als Älteste wurden abgelehnt, Ausnahmen in bestimmten Fällen allerdings erlaubt. In den Folgejahren stellte sich heraus, dass diese Leitlinie der sich entwickelnden Gemeindepraxis nicht standhielt und somit die Einheit des MV auf eine Belastungsprobe stellte. In der jetzt neu verabschiedeten Richtlinie wird gesagt, dass keine neuen biblisch-theologischen Erkenntnisse gewonnen wurden, sondern dass man aufgrund und trotz der immer noch vorhandenen Erkenntnisunterschiede "nur" die Praxisempfehlung ändere. Das Ziel sei die Wahrung der Einheit des Verbandes. Deshalb solle fortan jede Gemeinde selbst entscheiden können, ob sie Pastorinnen ordinieren und einstellen bzw. Frauen als Älteste einsetzen wolle. Die Möglichkeit dazu solle jeder Gemeinde eröffnet werden, keine Gemeinde würde allerdings dazu gezwungen.

Vor der Abstimmung gab es noch die Möglichkeit zu kurzen Statements aus dem Plenum, auf eine erneute Diskussion wurde jedoch verzichtet, da diese bereits während der DT 2010 in Flensburg und seitdem in den Gemeinden statt gefunden hatte. Wieder wurde deutlich, dass in der Frage sehr unterschiedliche Positionen bestehen und jeweils durchaus leidenschaftlich vertreten werden. Daher ist die erfolgte Annahme des Papiers ein Zeichen dafür, dass für die Gemeinden das Anliegen im Vordergrund steht, trotz unterschiedlicher biblischer Erkenntnisse im Verband in Einheit zusammen zu arbeiten.

Pastor Markus Liebelt (Schwenningen), der gegen eine Öffnung zur Frauenordination votiert hatte, sprach in einem spontanen Statement nach der Abstimmung allen Frauen im Dienst im MV seine Wertschätzung aus und machte deutlich, dass mit dieser Entscheidung - auch für ihn als Kritiker - keineswegs "die Welt untergehe", ja dass einer geschwisterlichen Zusammenarbeit auch in Zukunft nichts im Wege stehe.

Und in einer Hamburger MV-Gemeinde wird in den nächsten Wochen die neue Richtlinie mit der Ordination einer bisher hauptamtlich angestellten "Gemeindereferentin" zur Pastorin schon in die Praxis umgesetzt.

Zum Weiterlesen: Die neue Leitlinie ist als PDF im MV-Downloadbereich verfügbar.