MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Am Sonntag, d. 18.5.2014 war Bernd Siggelkow, der Gründer des Christlichen Jugendwerks "Arche", zu Gast in der CG-HH-BS. In einem Talk-Gottesdienst erzählte er einen Teil seiner eigenen Geschichte und von den Anfängen seiner Arbeit in Berlin-Hellersdorf bis heute.

Bernd Siggelkow (li.) und Talk-Host Matthias Pache.Für Bernd Siggelkow war es ein Heimspiel - denn er ist ursprünglich ein Hamburger. Auf St. Pauli aufgewachsen erlebte er, wie es ist, wenn man als Kind nicht die eigentlich nötige Aufmerksamkeit der Eltern bekommt. Frustriert über die unglückliche Ehe verließ die Mutter die Familie, und der Vater musste das Einkommen sicherstellen und hatte kaum Zeit für Bernd und seinen älteren Bruder.

Vielleicht hat Bernd Siggelkow darum ein besonderes Mitgefühl für Kinder in sozial und familiär angespannten Lebenslangen entwickelt. Über die Musik zur Heilsarmee - und damit später zum Glauben - gekommen, arbeitete Siggelkow Anfang der 1990er Jahre als Pastor einer evangelischen Kirche in Berlin. Diesen Job gab er jedoch auf, als er erlebte, wie viele Kinder in den Bezirken Hellersdorf und Marzahn im Berliner Osten tagsüber praktisch sich selbst überlassen ihr Leben führen. "In diesem Bezirken gibt es hohe Arbeitslosigkeit, eine sehr hohe Rate von Hartz-IV-Empfängern und die meisten alleinerziehenden Eltern in ganz Berlin". Viele der Eltern sind schlichtweg überfordert, ihr eigenes Leben zu ordnen - und können sich kaum um die eigenen Kinder kümmern.

Familie Siggelkow zog selbst in einen Plattenbau, und Bernd begann auf dem Spielplatz mit den Kindern zu spielen. Bald hatte er 20 Kinder, die ihn in seinem Wohnzimmer besuchten. Diese Erfahrungen führten 1995 zur Gründung der ersten "Arche", einer Tageseinrichtung für Kinder und Jugendliche. Dort erhalten Kinder Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, finden zugewandte Ansprechpartner, Hausaufgabenhilfe und erhalten sogar ein Mittagessen. In den Ferien werden Kinderfreizeiten veranstaltet.

Das wichtigste Ziel der Arbeit ist, Kindern Selbstvertrauen zu geben. Sie sollen empfinden, wichtig und geliebt zu sein - denn dieses Gefühl fehlt ihnen oft am meisten. So wird auch Gott dort den Kindern vorgestellt "Nicht: Hier ist ein Gott, und an den musst du jetzt glauben - sondern Gott glaubt an dich!", erklärt Bernd Siggelkow.

Sarah und Daniel Mosebach sorgten für musikalische Atempausen.

Bewegend ist es, als der Arche-Gründer von Begegnungen mit einzelnen Menschen erzählt oder Situationen, zu denen er gerufen wurde, und die er durch seine guten Beziehungen zu vielen Instanzen im Stadtteil entschärfen konnte. Beziehungen stehen überhaupt im Mittelpunkt der Arbeit in den "Archen", die inzwischen von 120 Hauptamtlichen und vielen Ehrenamtlichen an 20 Standorten geleistet wird. Siggelkow: "Der wichtigste Kommunikator der Familie ist der Esstisch, aber in vielen Familien wird nicht mehr gemeinsam gegessen. Stattdessen läuft der Fernseher, und da redet nur einer. Darum ist der Speisesaal in unseren Einrichtungen auch der wichtigste Raum."

Als die Arche-Hellersdorf 1995 gegründet wurde, erfuhr Bernd Siggelkow viel Desinteresse, ja sogar Feindseligkeit in der Öffentlichkeit, denn niemand konnte (oder wollte) sich vorstellen, dass es in Deutschland echte Armut unter Kindern gibt. Mit dem Erscheinen des ersten Armutsberichts 2001 änderte sich die Situation - die Medien rannten ihm die Türen ein, denn seine Mitarbeiter und er galten nun als Experten für ein neues brandaktuelles Thema.

Bernd Siggelkow

Gefragt, was sich in Deutschland ändern müsste, um die Situation der Kinder zu verbessern, hat Bernd Siggelkow tatsächlich einige Vorschläge: Bildung sollte wirklich kostenlos sein, denn auch wenn der Schulbesuch frei ist, kostet Bildung dennoch viel: Lernmittel, Nachhilfe - all das steht nicht allen gleichermaßen zur Verfügung. Daher ist es nach wie vor für von Armut betroffene Kinder schwer, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen. Siggelkow wünscht sich auch ein kostenloses Schulessen, wie in anderen Ländern - denn wenn man Hunger hat, nützt der beste Unterricht nichts.

Stolz berichtet Siggelkow zum Abschluss von der aktuellen Neueröffnung der "Arka" in Warschau, der ersten Arche in Polen. Initiiert und gesponsert hat sie der bekannte Fußballer Lukas Podolski.

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