MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Theologische Leiter-Tagung des MV im internationalen Tagungszentrum „Karimu“ der Wycliff-Bibelgesellschaft in Burbach-Holzhausen zum Thema „Unser Glaube, Gerechtigkeit Gottes, Weltfrieden und Bewahrung der Schöpfung".

Pastoren/-innen, Pastoren-Anwärter und theol. interessierte Gäste haben sich vom 20.–23. November 2018 zur Jahrestagung zusammengefunden. Diesmal ging es um die Konsequenzen unseres Glaubens in einer zunehmend komplexer werdenden Welt. Das Evangelium will gelebt werden – persönlich, in der Umgebung, als Gemeinde Jesu Christi und im Sendungsauftrag „in alle Welt“. Gottes Traum ist es, dass in seiner Schöpfung „Gerechtigkeit und Frieden sich küssen“ (Ps. 85, 11). Wir wissen, dass es noch nie so viele Kriege gleichzeitig gegeben hat, wie in unseren Tagen. Wir wissen auch, dass Menschen ausgebeutet werden, Opfer von Vertreibung werden und dass unsere Erde nicht unbegrenzt Rohstoffe und Energie liefern kann. Das darf niemandem egal sein, schon gar nicht Christen, die am Reich Gottes mitarbeiten sollen und wollen.

Tagungsdynamik (Foto: Miriam Schaupp)

Während der Tagung wurde deutlich, wie erlösungsbedürftig wir als Menschen sind, und was es heißt, an Weihnachten zu singen „Christ, der Retter, ist da!“

Die Theologische Leiter-Tagung war auch diesmal von einem erfrischenden Methodenmix geprägt. Den Start in den Tag bildeten nicht nur Lobpreiszeiten, sondern auch „Bibelduschen“: Etwas längere Lesungen aus dem Wort Gottes an uns, Psalmen und Gerechtigkeits-Verse aus dem Jesajabuch.

Neben Vorträgen zu den Themen gab es auch einen ausführlichen Info-Block mit Nachrichten aus der Arbeit des MV mit seinem Vorstand und den verschiedenen Kommissionen. Sport und Bewegung, Zeit zur persönlichen Reflexion, Gruppenarbeiten, und ein fröhlicher Bunter Abend unter humorvoller Moderation von Ingo Bröckel kamen nicht zu kurz. Den Abschluss bildete die Abendmahlsfeier mit einer berührenden Predigt von Manfred Vetter: „Gibt es nicht einen besseren Altarruf als den, dass Jesus Christus uns im Abendmahl persönlich in seine Gemeinschaft und in seine Nachfolge beruft?“

Pfingstjubel“ der Generation 30+ (Foto: Miriam Schaupp)Bibeldusche (Foto: Miriam Schaupp)Pfingstjubel“ der Generation Y (Foto: Steinfeld bpd)

Prof. Tobias Faix von der CVJM-Hochschule in Kassel nahm sich des Themenbereichs „Schöpfung, Frieden, Flucht und Integration“ an und zeigte die biblischen und theologischen Grundlagen auf, nicht ohne die Konsequenzen für die aktuelle Gemeindepraxis zu berücksichtigen. „Die Bewahrung der Schöpfung ist zutiefst Anbetung Gottes“, so Faix. Gott überlasse Welt und Menschheit nicht sich selbst, sondern sei interessiert, gebe den ersten Menschen einen Entwicklungsauftrag. „Wir sind Verwalter, nicht Besitzer, Zeit und Ewigkeit gehören Gott.“ Die Erde seufze nach Erlösung, und Jesus beschreibe seinen Auftrag in Lk. 4, 16-21 ganz deutlich. „Das Kreuz Jesu absorbiert alle Gewalt dieser Welt. Es ist nicht bloß ein Akt der individuellen Seelenrettung, sondern Erlösung gilt universal. Schalom, Gottes Friede, fasst das alles zusammen.“

Für die Gemeindepraxis stellte Faix kurz die „Micha-Initiative“ vor, die eine Bibelausgabe herausgebracht hat, in der alle Verse zu Frieden und Gerechtigkeit farblich hervorgehoben sind. Es sind mehr als 3.000. Angesichts der globalen Fluchtbewegungen sei die Integration eine Frage danach, wie wir überhaupt als Menschen miteinander umgehen. Faix umriss vier Ebenen der Integration: strukturell durch Bildung, kulturell durch Rechte, Pflichten, Religion und Geschlechterrollen, sozial durch Ehrenamt, Verein und Kirchen, und schließlich identifikatorisch durch Heimat, Loyalität, Werte und Bürgersinn.

Abschließend zitierte Tobias Faix den früheren Bischof von Aachen, Klaus Hemmerle, mit dessen Worten:
„Lass mich Dich lernen,
Dein Denken, Dein Sprechen,
Dein Fragen, Dein Dasein,
damit ich daran die Botschaft neu lernen kann,
die ich Dir zu  überliefern habe.“

Blick ins Auditorium (Foto: Ingo Bröckel)

Zum Themenbereich „Macht und Missbrauch“ stellte Sven Godau dem Auditorium einen sehr persönlichen Fragenkatalog vor. Äußerer Anlass war die Affäre um Bill Hybels von der Willow-Creek-Community. Kein anderer hat Leitung und Leitungskompetenz in kirchlichen Institutionen so geprägt wie er. Die negative Seite von Grenzüberschreitungen zwischen Erwachsenen sind aber durch den „Fall Hybels“ ähnlich zutage getreten wie der Missbrauchs-Skandal in der kath. Kirche bei Kindern und in der evangelischen Kirche im Heimbereich. Die Frage nach Nähe und Distanz ist daher nicht nur ein Thema für Jugendgruppenleiter, sondern für uns alle. Nach Einzelbesinnung für jeden TLT-Teilnehmer ging in einem zweiten Durchgang Ekkehart Vetter mit Gruppengesprächen den Fragen nach Seelsorgebeziehungen und Verbesserungen in den Leitungsstrukturen von MV, Bezirken und Gemeinden nach. Sie mündeten im Konsens nach
1. besserem Mentoring und Coaching von Pastoren und Gemeindeleitungen und
2. nach externen Beratungs- und Beschwerdestellen.
Dem wird die MV-Leitung in weiteren Schritten nachgehen.

Fragen zur Selbstreflexion

Uwe Heimowski war Pastor der Baptistengemeinde in Gera und ist gegenwärtig Beauftragter der Deutschen Evangelischen Allianz bei der Bundesregierung in Berlin. Er berichtete von seiner Arbeit an der Schaltstelle politischer Entscheidungen. Kein Schreibtischjob, sondern zahlreiche Gespräche mit Arbeitsgruppen, Gesetzgebungs-Projekten, Fraktionsausschüssen, Lobbyisten, und viele Einladungen zu Stellungnahmen aus der Sicht der Allianz. Im Gegensatz zu den meisten verfassten Kirchen ist die Evangelische Allianz keine Körperschaft, sondern eine Interessengruppe. Umso bedeutsamer ist es, dass sie gleichberechtigt angefragt und gehört wird. „Wir reden mit allen Parteien“ ist Heimowskis Grundsatz, „aber wir vertreten entschieden christliche Positionen aus evangelikaler Sicht.“ Diese könnten nicht von einer einzigen Partei für sich in Anspruch genommen werden, sondern decken ein breites Spektrum ab, wie es das Konferenzthema dieser TLT ja auch deutlich mache. Uwe Heimowskis Büro gibt einen „Bericht aus Berlin“ heraus, den man [hier herunterladen oder abonnieren] kann.

Markus Diekmann berichtet aus Sambia (Foto: Steinfeld bpd)

Dieter Stiefelhagen gab einen Überblick über die Missionstheologie seit dem 18. Jahrhundert. „Seit der „Lausanner Verpflichtung“ von 1974 haben sich zwei Tendenzen entwickelt“: Dass Evangelisation und sozialpolitisches Engagement zusammen gehören ginge den einen zu weit, und den anderen sei es nicht radikal genug. „Ist mit „Reich Gottes“ eine zu transformierende Gesellschaft gemeint, oder ist Reich Gottes eine zukünftige Realität, welche die Wiederkunft Christi in Israel als Startpunkt hat?“ Stiefelhagen bemängelte, dass sich in der MV-DNA keine Missionstheologie finde. Sein Vorschlag: Evangelisation und sozialpolitische Aktion sind aufeinander bezogen und stehen in einem partnerschaftlichen Bezug. „Hilfe ist Wegbereitung der Gnade“, könnte man nach Bonhoeffer sagen. „Sie ist ein Vor-Letztes, im Bewusstsein um das Letzte“, so Bonhoeffer in seiner „Ethik“ (ISBN 978-3579051611).

Danach setzte Markus Diekmann die Theorie der Mission in die Praxis um und berichtete von  der Arbeit des MV mit „Life Trust“ in Kabwe/Sambia Mission und wie das konkret aussieht. „Im herkömmlichen Verständnis sieht unsere soziale Arbeit unter einer sich als christlich bezeichnenden Bevölkerung nicht wie Evangelisation aus", sagte Diekmann. Aber gerade darum sei es nötig, davon zu erzählen, wie und warum Diakonie etwas mit unserem Glauben zu tun habe. Das können auch deutsche FSJ-ler erfahren. Mehr Infos gibt es über die Newsletter von [Life Trust Sambia].

Prof. Tobias Faix (Foto: Steinfeld bpd)Sven Godau (re.) und Ekkehart Vetter (li.) (Foto: Steinfeld bpd)Uwe Heimowski (li.) im Interview mit Ekkehart Vetter (Foto: Steinfeld bpd)

Prof. Christoph Raedel von der FTH Gießen und Vorsitzender des [Vereins für Freikirchenforschung] ging ebenfalls der Frage nach, ob es einen biblischen Vorrang entweder für das Evangelium oder für die Armen dieser Welt gebe. Auch für Raedel gibt es kein „Entweder–Oder“, sondern Reich Gottes und Gerechtigkeit und Frieden gehören untrennbar zusammen. „Wir leben nicht aus der Gerechtigkeit Gottes, wenn wir nicht selber gerecht handeln, und unsere Verkündigung kann nicht glaubwürdig sein, wenn unser Glaube sich nicht in der Liebe als lebendig erweist.“ Raedel beschreibt Gottes Schöpfung als „eine Ökonomie der Fülle“, und die Ursünde des Menschen bestehe aus seiner Angst, zu kurz zu kommen, etwas Wesentliches zu verlieren. Armut und Ungerechtigkeit sind die Folgen des Misstrauens gegenüber Gott. Weltlicher Reichtum, der Besitz an Gütern und Geld als Folge von Unterdrückung und Ausbeutung haben mit dieser Fülle aus Gottes Hand nichts zu tun. Nicht umsonst sind regelmäßige Sabbatjahre, Schuldenerlasse und Sklavenbefreiungen als Konsequenzen aus Gottes Gebot im Alten Testament grundgelegt. Aber sowohl bereits im alten Judentum, als auch in heutiger Sozialethik und christlicher Praxis ist kaum etwas davon übrig geblieben. Jesus personalisiert Geld als „Gott Mammon“, und das Streben nach Geld wird im Neuen Testament ausdrücklich als „Götzendienst“ bezeichnet. Jesus wird für Geld verraten. Jesus durchbricht die Spirale von Gewalt und Misstrauen durch Kreuz und Auferstehung. Die frühchristliche Gemeinde hat ein Forum des Ausgleichs geboten, auch zwischen arm und reich.

Fazit von Christoph Raedel: „Wer sich des Armen erbarmt, der ehrt Gott“ (Spr. 14, 31) Nächstenliebe ist Anbetung.

Spannung vor dem Bunten Abend (Foto: Miriam Schaupp)

Auch bei dieser Theol. Leitungs-Tagung waren Ehepartner und Interessierte eingeladen. So waren einige der Kleinsten im MV mit dabei und sorgten bei den Vorträgen auf ihre Art für Lebendigkeit, ohne dass ein Extra-Kinderprogramm organisiert war bzw. werden musste. Die Pastorenschaft des MV ist eine junge Truppe, möchte Menschen auf dem Weg mit Jesus begleiten und dabei mit modernen Verkündigungsmethoden sowohl am Herzen Jesu als auch am Puls der Zeit sein.

(Bernd Steinfeld)

Anmerkung: Neben dem [Verein für Freikirchenforschung] gibt es auch noch den
[Interdisziplinären Arbeitskreis Pfingstbewegung], der an der Theol. Fakultät der Universität Heidelberg angesiedelt ist.

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