MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Paulus hatte sich richtig ins Zeug gelegt. Der theologische Tiefschürfer aus Tarsus war zu Höchstform aufgelaufen. Er plante eine Reise nach Rom, das Zentrum des antiken römischen Weltreichs. Noch nie war er in der Stadt der sieben Hügel gewesen.

Ekkehart VetterEs gab dort bereits eine christliche Gemeinde. Die wollte er unter anderem besuchen. Dort versammelten sich kluge Köpfe, hatte er gehört, eben so, wie es sich für Rom gehört. Wie nun konnte er seinen ersten Besuch in der kaiserlichen Metropole und bei der noch jungen christlichen Gemeinde ankündigen? Am besten mit einem theologischen Traktat, das die Säulen des christlichen Glaubens in diesen lehrmäßig noch so wackeligen Zeiten entfaltete. Wie viel dogmatisches Tohuwabohu war ihm auf seinen Reisen in den jungen Gemeinden immer wieder begegnet! Alle Gemeinden hatten klare Lehre nötig.

Paulus at his best

Und so schaufelte er sich ein paar Tage frei, organisierte beim Bürobedarf ein ordentliches Stück Papyrusrolle, bestellte seinen Schreiber – und legte los. Der Römerbrief, wie wir ihn heute nennen, entstand. DIE theologische Meisterleistung des weitgereisten Apostels. Kein leichter Stoff, eher ein Text, von dem Petrus schrieb, in den Briefen des theologischen Denkers Paulus sei das eine oder andere „schwer zu verstehen“ (2. Petrus 3,16).

Und Paulus fährt schwere Geschütze gleich zu Beginn auf. Alle Menschen sind Sünder, Juden wie Heiden (Römer 1 und 2). Die Lösung liegt nicht in Werkgerechtigkeit sondern allein im Glauben an Jesus Christus (Römer 3). Schon bei Abraham war der Glaube entscheidend (Römer 4) und Adam und Christus haben, theologisch gesprochen, etwas miteinander zu tun (Römer 5): Durch den einen kam die Sünde, durch den anderen die Gerechtigkeit. Die Taufe macht endgültig klar, wie das mit dem neuen Leben ist (Römer 6). Die Kraft zu diesem neuen Leben liegt nicht in uns selbst und nicht in der Erfüllung des Gesetzes, sondern kann allein durch den Heiligen Geist bewirkt werden (Römer 7 und 8). Und schließlich: Bei allem bleibt die Erwählung Israels bestehen. Die Christen aus den Heiden erhalten mehr Anteil an dieser Erwählung (Römer 9-11). Gott steht zu seinem Erwählungshandeln.

Bis hierhin ein dogmatisches Meisterwerk. Keine Geschichtenerzählerei, kein Verhackstücken von Gemeindeproblemen und -problemchen – Paulus at his best.

Paulus mit Markus. Ausschnitt aus einem Gemälde von Albrecht DürerNoch lange nicht Schluss

Heute würde bei einem derartigen dogmatischen Höhenflug zwischen zwei Buchdeckeln an dieser Stelle das Literaturverzeichnis folgen, und damit wäre der Opus fertig. Für Paulus aber ist an dieser Stelle "noch lang nicht Schluss". Es stellt sich vielmehr eine ganz entscheidende Frage: Was bedeutet dieses theologische Schwarzbrot für die Praxis? Was hilft eine Bewertung mit "summa cum laude" in der Theorie, wenn die Umsetzung im Alltag nicht stattfindet?

Mit anderen Worten: Nach zwei Dritteln des gesamten Briefes stehen einige Grundfragen noch. Sozusagen zwischen den Zeilen: „Dogmatisch gut gebrüllt, Löwe, aber was bedeutet dies alles, lieber Apostel, für mich am Montag? Wie kann ich die lehrmäßige Meisterleistung der Kapitel eins bis elf in meinem Alltag leben?

Dogmatik hin, Dogmatik her, was ist, wenn mir einer quer kommt? Was ist, wenn ich mit Leid und Not konfrontiert werde? Was ist, wenn irgendein Wichtigtuer in der Gemeinde meint, alles besser zu wissen? Was ist, wenn mir jemand Unrecht tut? Wie kann ich im Alltag mein Christsein leben, so dass ich erkennbar bin? Ich brauche Hilfen für die Praxis!“

"Dogmatisch gut gebrüllt, Löwe!"

Gut, dass noch Papyrus da und der Schreiber nach wie vor gut drauf ist. Paulus stellt sich diesen Fragen zwischen den Zeilen (Römer 12-16) und formuliert für diese Glaube-am-Montag-Fragen in Römer 12,1-2 eine Art Überschrift:

Brüder und Schwestern, weil Gott so viel Erbarmen mit euch gehabt hat, bitte und ermahne ich euch: Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Bringt euch Gott als lebendiges Opfer dar, ein Opfer völliger Hingabe, an dem er Freude hat. Das ist für euch der »vernunftgemäße« Gottesdienst. Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.

Wie immer die Montagsfragen in einer antiken Gesellschaft ausgesehen haben, die Grundfragestellung ist für Christen zu allen Zeiten gleich geblieben. Lediglich die Themen haben sich hier und da im Lauf der Jahrhunderte verändert.

Wie gewinnt mein Glaube im Alltag Relevanz? Wie bin ich als Christ in der Woche erkennbar? Wie kann ich authentisch leben, so dass Dogmatik und Ethik, Glaube und Leben, Sonntag und Alltag in möglichst großer Übereinstimmung gestaltet werden können?

Darum geht es:

  • Mit Gott im Alltag rechnen.
  • Im Berufsalltag glauben. Private und berufliche Werte in Einklang halten.
  • In Schule und Studium Christ SEIN und dazu stehen.
  • In Politik, Gesellschaft und Beruf Verantwortung übernehmen und darin Teil der Gemeindearbeit sehen.
  • Natürlich Christ SEIN in Ehe und Familie. Im Alltag gestalten, was uns sonntags wichtig ist. Kinder mit dem Glauben vertraut machen.
  • Wohltuende Beziehungen pflegen und gute Nachbarschaft halten.
  • Selbstverständlich Christ SEIN in Sportverein, Feuerwehr oder Elternbeirat. Erfahrungen austauschen, Haltungen einüben, natürlich werden.
  • Authentisch leben – jeden Tag: Offen, ehrlich, fragend, zweifelnd, achtsam und zuversichtlich.
  • Gemeinde während der Woche SEIN. Gemeinschaft erfahrbar machen. Nicht alle Kraft für sich selbst verbrauchen. Dem Geist Gottes Raum schaffen.
  • Hauptamtliche daran erinnern, dass es ein Leben jenseits des Gemeindehauses gibt und dass die Sonntagspredigt für den Montag ausrüsten soll.

Den Montag heiligen

Ausschnitt aus dem Logo von Glaube am MontagDen Montag heiligen – so formuliert es eine neue Initiative, die sich das Thema "Glaube am Montag" für das Jahr 2012 auf die Fahne geschrieben hat. Und viele Kirchen, Initiativen und Werke klinken sich ein. Das ist gut so, denn das Thema gehört zu den absoluten biblischen Kernthemen. Der Römerbrief lässt grüßen.
Nicht umsonst hat der Montag nicht das beste Image. Der Alltagstrott startet wieder, Arbeitswoche und kein Ende in Sicht, der Stress im Job geht weiter.

"Glaube am Montag 2012" will helfen, den Montag und die (Arbeits-)Woche neu zu entdecken, als Zeit mit und für Gott. Wie kann ich Christsein leben, nicht mit "U-Boot-Taktik" - also ab und zu mal auftzuauchen, nämlich am Sonntag - sondern mitten im Alltag, im Beruf, in Familie und Verwandtschaft, im Ehrenamt usw.?
Wie wäre es, wenn ich als Christ von Montag bis Sonntag erkennbar bin, wenn Bekenntnis des Glaubens und Praxis des Glaubens mein gelebter Alltag ist?

Wie kann ich Christsein im Alltag in allen meinen Lebensbereichen einladend offensiv leben, evangeliumsgemäße Worte und ebensolche Taten in Übereinstimmung bringen? Der Alltag von Christen kann schnell so werden, dass er sich kaum noch unterscheidet vom Alltag aller anderen. Schon Jesus mahnt seine Jünger, dass sie sich "nicht durch die Sorgen des Alltags vom Ziel ablenken lassen" sollen (Lukas 21,34).

144

144, das sind zwölf mal zwölf, richtig. Und alle Bibelkenner denken an zwölf Stämme Israels und zwölf Jünger Jesu. Noch drei Nullen dahinter und wir hätten die apokalyptische Zahl 144.000.

Ich denke an etwas viel Schlichteres: 144 sind auch sechs mal 24, Montag bis Samstag, jeden Tag 24 Stunden. Also 144 Stunden Alltag jede Woche, 144 Stunden Gottes-Dienst. Ist mir das bewusst? Circa 40 bis 50 Stunden davon schlafen wir, bleiben etwa 100 Stunden, die wir mit klarem Kopf gestalten müssen. Je nach individueller Lebenssituation gehören in diese 100 Stunden ganz verschiedene Elemente: Arbeit und Beruf; Familie und Kindererziehung; Ehe leben, Single oder Witwe/r sein; Ruhestandsaktivitäten, Schule und Studium; ehrenamtliches Engagement in Gemeinde oder anderen Institutionen; Kontakte zu Menschen in der Nachbarschaft, Großfamilie und "1000" anderen Lebensbereichen. Wenn jeder von uns diese rund 100 wachen Stunden detailliert beschreiben würde, dann würde sich einerseits manches gleichen und andererseits wären die Menschen unseres 144-Stunden-Alltags total verschieden.

Einladend, offensiv und sensibel

Und genau da liegt die Chance und Herausforderung! Was würde geschehen, wenn Christen im säkularisierten Deutschland ihren Glauben im Alltag einladend, offensiv, diakonisch, bekenntnisorientiert und sensibel für die Anknüpfungspunkte im Leben anderer leben würden? Was würde geschehen, wenn 2012 diese Frage ein Schwerpunkt meines Denkens, ein Stoßgebet am Morgen, ein Herzensanliegen meines Lebens würde: Wie kann ich meinen Glauben am Montag leben?

Hirtenwort

Flyer für Glaube am Montag.Gestattet mir als MV-Präses ein "Hirtenwort". Ich würde mich sehr freuen, wenn "Glaube am Montag 2012" so eine Art Jahresthema in vielen MV-Gemeinden im kommenden Jahr würde. Es wäre super, wenn möglichst viele Menschen aus unseren Gemeinden die großen Wahrheiten des Glaubens in ihren persönlichen Alltag hinein übersetzen würden. Könnten wir das Jahr 2012 und die vielen inhaltlichen Impulse und Materialien, die die Aktion bietet, dazu nutzen, viele Christen in unseren Gemeinden dazu auszurüsten, ihre 144 Stunden Alltag neu zu entdecken als die gottgewollte Möglichkeit, Gottes-Dienst in ihrem Alltag zu leben, "zu Gottes Ehre" (Römer 15,7)?

Stellt euer ganzes Leben Gott zur Verfügung! Das sei euer "vernünftiger" Gottesdienst. Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an. Lasst euch vielmehr von Gott umwandeln, damit euer ganzes Denken erneuert wird. Dann könnt ihr euch ein sicheres Urteil bilden, welches Verhalten dem Willen Gottes entspricht, und wisst in jedem einzelnen Fall, was gut und gottgefällig und vollkommen ist.

Ekkehart Vetter

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