MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Am 26. Januar startete der Willow-Creek-Leitungskongress "Fokus" in der Stuttgarter Hanns-Martin-Schleyer-Halle. "Die Botschaft der Bibel kann und wird Menschenleben verändern – auch in Deutschland", sagte Bill Hybels, Pastor und Gründer der "Willow Creek Community Church" in South Barrington, Chicago.

Bill Hybels"Die Kirche ist die Hoffnung der Welt – doch um die Menschen zu erreichen, muss sie ihre Probleme lösen und in verschiedenen Bereichen besser werden." Dazu braucht es laut Hybels "mutige Leiter und fantastische Menschen", die sich für ihre christlichen Kirchen, Gemeinden und Gemeinschaften einsetzen. Pastoren und die Leiter der verschiedenen gemeindlichen Arbeitsbereiche müssten den Mut haben, Probleme frühzeitig anzusprechen und Abhilfe zu schaffen. Dazu gehöre auch die optimale Förderung der Mitarbeiter: Sowohl Über- als auch Unterforderung demotiviere und trage dazu bei, dass Menschen ihr Engagement beenden. Beides sei nicht nur für die Kirche, sondern auch für die betroffenen Mitarbeiter und deren Familien problematisch. "Als Leiter muss ich ein Vorbild für meine Mitarbeiter sein, das richtige Maß zu finden", so Hybels. Leiter mit Leidenschaft, die aber überfordert sind, müssten zu ihrem eigenen Wohle gebremst und wenn nötig ersetzt werden. Hybels Fazit: "Das eigentliche Rezept ist nicht Geld oder die richtige Strategie, sondern es sind fantastische Menschen.

Setzen deutsche Gemeinden zu langsam um?

Ein Presseecho rief Bill Hybels mit einigen kritischen Sätzen an die Adresse der deutschen Gemeinden hervor. Hybels sagte, dass er sich seit dem Beginn der Willow-Arbeit in Deutschland vor 15 Jahren noch mehr erhofft habe. Deutschland sei ein Land der Ingenieure und Ideen, zum Beispiel wenn es um Autos gehe. Die Professionalität der Deutschen in technischen und wirtschaftlichen Gebieten solle auch auf Kirchen und Gemeinden übertragen werden.

Der erste Vorsitzende von Willow-Creek-Deutschland und der Schweiz, Ulrich Eggers, relativierte während der folgenden Pressekonferenz diese Aussage des Willow-Creek-Gründers. Der Einfluss von Willow-Creek auf die deutsche Gemeindelandschaft sei nach 15 Jahren Willow-Creek-Kongressen sehr groß. Es sei aber klar, dass die Verantwortung zur Umsetzung von Impulsen bei den Gemeinden bliebe. Vieles sei aufgenommen und umgesetzt worden. Viele Gemeinden hätten profitiert und sich verändert. Man habe Kontakt zu 8.000 Gemeinden in Deutschland. Aber es stimme, dass Veränderungsprozesse manchmal auch sehr langsam vonstatten gingen. Das Ziel der "Willow-Creek"-Kongresse sei es weiterhin, Gemeinden zu inspirieren.

Den Wert der Evangelisation hochhalten

Nach Jahrzehnten der Evangelisation über persönliche Begegnungen und Beziehungen sollen Kirchen und Gemeinden neue Wege gehen, um Menschen zu erreichen. Das erklärte Bill Hybels zum Abschluss des "Willow-Creek"-Leitungskongresses. Nachdem seine Gemeinde über lange Zeit hauptsächlich über persönliche Freundschaften versucht habe, den Glauben an Jesus Christus weiterzugeben, seien nun neue Wege gefragt. "Es ist extrem schwer, den Wert der Evangelisation für 36 Jahre hochzuhalten", sagte Hybels. Der Wert der Evangelisation bei Willow Creek habe abgenommen, weil viele Gemeindemitglieder nun alle vorhandenen Freundschaften genutzt hätten, um von Jesus zu erzählen. Weil es auch andere Möglichkeiten gebe, solle man so viel wie möglich daran setzen, dass man sie nutze. "Die Ernte wird niemals größer sein als das, was du säst", erklärte Hybels im Hinblick auf Evangelisation. Ihn habe zum Beispiel überrascht, wie erfolgreich Einladungen in eine Gemeinde sein könnten, wenn man sie per Post verschicke. Vor 30 Jahren habe man das für altmodisch gehalten. Gerade weil ein Großteil der Kommunikation heute digital sei, würden gedruckte Medien mehr auffallen, wenn sie entsprechend gestaltet sind und gut informieren.

Hochkarätige und inspirierende Redner aus aller Welt

Gordon MacDonaldBill Hybels zog am Ende des Kongresses ein positives Fazit. Der Leitungskongress in Stuttgart sei der beste von allen gewesen, seit die erste Veranstaltung vor 15 Jahren  durchgeführt wurde. Das lag vor allem an den hervorragenden, nicht zu Willow-Creek in Chicago zugehörigen Rednern aus aller Welt.

Gordon MacDonald ging in seinem Vortrag über die Kommunikation zwischen den verschiedenen Generationen ein. "Junge Leute sollten immer wieder den Rat von älteren Menschen, die schon viel erlebt haben, suchen. Sie können davon enorm profitieren." MacDonald sagte, dass er mit seinen 72 Jahren mehr arbeite als jemals zuvor im Leben und dies sehr genieße. Er riet Senioren, ihre Lebenserfahrung zu nutzen, um für junge Menschen ein "geistlicher Vater oder eine geistliche Mutter" zu sein. "Glaubt mir – so wird euch nie langweilig", ermutigte er die Zuhörer. Es sei schön, die Energie und die Lebensträume der kommenden Generationen zu spüren. Gordon MacDonald wird der Hauptredner während des nächsten MV-MaiVestivals über Himmelfahrt 2012 in der Eifel sein.

Jeff Manion, Pastor der "Ada Bible Church" im US-Bundesstaat Michigan, sprach in einem Vortrag darüber, wie Gott schwierige Zeiten nutzen kann, um Menschen im Glauben zu festigen. "Eine unschöne Lebensphase, die du gerne schnell überwinden würdest, kann Gott ganz besonders gebrauchen, um etwas positives in deinem Leben und deinem Charakter zu bewirken", erklärte er. Gott liebe es, die Menschen zu versorgen und ihnen zu begegnen. Es sei von größter Wichtigkeit, wie Menschen auf eine Krisensituation reagieren: "Manche werden verbittert, andere setzen ihr Vertrauen noch stärker als bisher auf Gott. Wie du mit 30 Jahren auf ein Problem reagierst, entscheidet darüber, welcher Mensch du im Alter von 40 sein wirst", so Manion.

Der amerikanische "New York Times"-Journalist und Autor der erfolgreichen Biografie "Bonhoeffer: Pastor, Agent, Märtyrer und Prophet", Eric Metaxas, sprach bei einem Podiumsgespräch mit Bill Hybels über seine 2-jährige Arbeit an der Bonhoeffer-Biografie, die im vergangenen Sommer auch in Deutschland erschienen ist. Dietrich Bonhoeffer werde heute oft als liberaler Theologe dargestellt. "Doch je mehr ich nachforschte, desto mehr kam ich zu dem Ergebnis, dass diese Annahme Nonsens ist", so Metaxas. Bonhoeffer habe die Bibel bereits während seines Studiums anders verstanden als viele seiner Kommilitonen: "Für ihn war sie lebendig, sie spricht zu den Menschen. Er war einer der wenigen an seiner Fakultät, die ihre Stimme gegen die liberale Theologie erhoben haben." 

Hanspeter Wolfsberger, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Betberg-Seefelden (nahe Freiburg), rief Christen zu mehr Entscheidungsfreude auf. Der Satz "Ich will mir so viele Optionen wie möglich offen lassen" führe meistens nicht weiter. Sich alles offen zu halten, heiße, dass man kein Ziel habe, sagte der ehemalige Direktor des Gesamtwerkes der Liebenzeller Mission. Manchmal sei es wichtig, seine Berufung zu überdenken. Das habe er selber erfahren, als er sich als Direktor der Liebenzeller Mission entschied, eine Pfarrstelle in einem kleinem Dorf "am Ende der Welt" anzunehmen, obwohl er das Angebot hatte, ein hohes kirchliches Amt zu besetzen.

Kongresshöhepunkt I: Christine Caine und das "Leidenschaftsdefizitsyndrom"

Christine Caine"Du kannst als Christ die Welt nicht verändern, ohne in ihr zu leben. Du kannst die Welt aber auch nicht verändern, wenn du aus dem gleichen Holz geschnitzt bist wie diese Welt". Über dieses Spannungsfeld sprach die australische zur Hillsong-Church gehörende Pastorin Christine Caine. Christen seien als "Salz und Licht" dazu aufgefordert, die Welt zum Positiven zu verändern. Caine kritisierte, dass manche Kirchen und Gemeinden zu viel Wert auf Äußerlichkeiten legten. Für Jesus zähle aber die innere Einstellung der Menschen mehr als deren äußeres Erscheinungsbild. "Du bist auch mit einem Tattoo im Gottesdienst willkommen", so Caine. Es sei nicht die Aufgabe der Kirche, mit dem Finger auf andere zu zeigen, sondern Hoffnung zu den Menschen zu bringen. Dabei komme es darauf an, ob die Kirchenmitglieder eine Leidenschaft für ihren Glauben hätten: "Ich habe gesehen, dass ihr Deutschen beim Fußball sehr leidenschaftlich sein könnt", sagte Caine, "aber in der Kirche seid ihr sehr gesetzt." In vielen europäischen Kirchen sei ein "Leidenschaftsdefizitsyndrom" zu beobachten. Es sei wichtig, dass Gottesdienste nicht auf bloßen Ritualen, sondern auf einem "inneren Feuer" der Gläubigen, einer Begeisterung für Jesus Christus, beruhten. Wenn dieses innere Feuer brenne, dann seien Kirchen mehr als nur Touristenattraktionen: "Sie werden zu Plätzen der Hoffnung und Verwandlung, an denen Menschen verändert werden. Statt vor der Welt davonzulaufen, sollten Christen die Ärmel hochkrempeln und dieser Welt die Hoffnung in Jesus Christus zurückbringen."

Kongresshöhepunkt II: Prof. Michael Herbst und die "unaufgebbaren Menschen"

Prof. Michael HerbstSowohl die Kirchensteuer als auch eine privilegierte Stellung in der Gesellschaft ist für die Kirche in Deutschland verzichtbar. Das hat Michael Herbst, Professor für Praktische Theologie und Prorektor an der Universität Greifswald, am Freitag auf dem "Willow-Creek"-Leitungskongress in Stuttgart erklärt. Die Kirchensteuer sei nur eine "kalte Steuer": Eine ganze Kirche könne "wie der reiche Jüngling werden", wenn sie sich darauf ausruhe, sagte der Theologe. Gerade Kirchen und Gemeinden, die finanziell besonders gut situiert seien, könnten kaum mehr entscheiden, was wichtig und unwichtig sei, betonte Herbst. Bei der Frage danach, was unaufgebbar sei, sei nicht die Meinung von Menschen wichtig. Vielmehr komme es darauf an, was für Jesus unaufgebbar sei: "Für Jesus bist du unaufgebbar", rief Herbst den 7.500 Zuhörern zu. Schließlich habe Jesus alle Privilegien, die er als Gottes Sohn gehabt habe, aufgegeben und sei für die Menschen gestorben. Alles andere sei für ihn verzichtbar gewesen – nur nicht die Menschen. Das sei der zentrale Inhalt, "mit dem die Kirche steht und fällt", sagte Herbst: "Wenn sie das aufgeben würde, wäre sie keine Kirche mehr." Alle kirchlichen Ämter, Strukturen, Steuern, Gebäude und Zeremonien seien im Vergleich dazu unwichtig. Gemeinden dürften "keinen Menschen aufgeben, der nichts von Jesus gehört hat". Ressourcen sollten konsequent für die Erneuerung von Gemeinde eingesetzt werden, um eine geistliche Erneuerung in Deutschland zu fördern."
Gemeinden sollten jedes Jahr überprüfen, ob ihr Fokus richtig gesetzt sei. Leitungskreise sollten sich fragen: "Was von alledem, was wir heute tun, würden wir nicht wieder beginnen, wenn wir es nicht schon täten", empfahl der Theologe.

Kongresshöhepunkt III: MV-Begegnungsabend in der OLGA-Gemeinde Stuttgart

MV-Begegnungsabend in derStuttgarter OLGA-GemeindeMehr als 100 Menschen aus dem MV waren beim Leitungskongress in Stuttgart dabei. Am Freitagabend fand sich der größte Teil der MV´ler zu einem Begegnungsabend in der OLGA-Gemeinde Stuttgart ein. Die Gäste wurden zu Beginn mit typisch schwäbischen kulinarischen Genüssen von den Mitarbeitern der Gemeinde empfangen. Die Maultaschen, der Kartoffelsalat, die Brezeln und der gute Wein fanden regen Zuspruch. Die Gemeinde berichtete kurz über ihre momentane Situation und die aktuellen Veränderungen. Ansonsten blieb viel Zeit für Begegnung und Gespräch. Das war ein besonderer Kongresshöhepunkt, den alle MV´ler sichtlich genossen haben. Die Initiative für den Begegnungsabend ging von der MV-Leitung aus, die sich besonders bei den Mitarbeitern der Gemeinde für ihren Einsatz an dem Abend bedankt.

Der "Willow-Creek"-Leitungskongress "Fokus" in Stuttgart fand vom 26. bis 28. Januar 2012 in der Stuttgarter Hans-Martin Schleyer-Halle mit etwa 7.500 Teilnehmern statt. Veranstalter des Kongresses war "Willow Creek Deutschland", eine Organisation, die regelmäßig Kongresse für  Mitarbeiter aus Kirchen und christlichen Gemeinden durchführt. Der Name "Willow Creek" stammt von der gleich lautenden Gemeinde in South Barrington bei Chicago ab, die nach Angaben des Leiters von "Willow Creek International", Gary Schwämmlein, pro Wochenende zwischen 22.000 und 25.000 Gottesdienstbesucher verzeichnet. Das Gemeinde-Budget von ungefähr 40 Millionen Dollar pro Jahr stamme aus Spenden aus der Gemeinde.

Unter www.willowcreek.de finden sich weitere Berichte, Interviews, Clips und Fotos vom Kongress.

Dieter Stiefelhagen / Willow-Creek-Presse

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