MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

Im Oktober 2010 nahmen Ekkehart Vetter, Präses des MV, und seine Frau Sabine am dritten Lausanner Kongress für Weltmission teil, der im südafrikanischen Kapstadt stattfand. Die auf dem Kongress verabschiedete Erklärung gilt als repräsentative und richtungsweisende Stellungnahme verschiedenster evangelikaler Gruppen und Bewegungen zum Thema Evangelisation und hat somit auch Relevanz für die Gemeinden des MV. Ekkehart Vetter hat die Kapstadt-Erklärung auf der Delegiertentagung 2011 und nun für die Leser von Gemeinde KONKRET und muelheimer-verband.de zusammengefasst.

Die Lausanner Bewegung

Logo der Lausanner BewegungDie Lausanner Bewegung ist eine internationale überkonfessionelle evangelikale Bewegung, die sich als Plattform für den Austausch von Kirchen, Konfessionen, Organisationen und Einzelnen über das Thema Weltevangelisation versteht. Ihren Anfang nahm die Bewegung im Juli 1974, als unter der Führung des US-amerikanischen Evangelisten Billy Graham rund 2.500 evangelikale Führungskräfte aus 150 Ländern im schweizerischen Lausanne zusammentrafen. Das Thema dieses ersten Treffens lautete: "Alle Welt soll Sein Wort hören." Aus dem Kongress von 1974 ging die so genannte "Lausanner Verpflichtung" hervor. Sie ist das Dokument, das der Bewegung bis heute Langzeitwirkung gibt – ein Dokument, das an unzähligen Stellen zitiert wird und mit dessen Inhalten argumentiert wird. 1989 folgte schließlich in Manila ein weiterer Großkongress mit deutlich gestiegener Teilnehmerzahl und einem größeren Spektrum der vertretenen Gruppen. Das auf den Philippinen verabschiedete "Manifest von Manila" sollte schließlich ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der Lausanner Bewegung sein und neben der Evangelisation einen Schwerpunkt auf die soziale Verantwortung christlicher Kirchen legen.

Kapstadt 2010

Lausanne III, der dritte Kongress für Weltevangelisation, fand vom 17. bis 24. Oktober 2010 statt. Unter dem Thema aus 2. Korinther 5,19, "Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber", trafen sich über 4.000 Delegierte aus 198 Ländern im südafrikanischen Kapstadt. Vom Mülheimer Verband waren Sabine und Ekkehart Vetter dabei.

Auch in Südafrika wurde ein wegweisendes Dokument verabschiedet: Die Kapstadt-Verpflichtung mit dem Titel "Eine Erklärung des Glaubens und ein Aufruf zum Handeln". In der Präambel kommentiert die Lausanner Bewegung, die Kapstadt-Verpflichtung sei ein Versuch zu erkennen, "wie wir die ewige Wahrheit des Evangeliums in einer sich ständig verändernden Welt für unsere eigene Generation ausdrücken und leben müssen". Die Verpflichtung soll demnach in der praktischen Anwendung des Evangeliums unter den Lebensbedingungen der Gegenwart anleiten. Als klare Konstanten trotz aller äußeren Veränderung werden zunächst jedoch folgende "unveränderte Realitäten" festgestellt:

  • Menschen sind verloren.
  • Das Evangelium ist eine Gute Nachricht.
  • Die Mission der Gemeinde geht weiter.

Die Sprache der Liebe

Bemerkenswert und für eine solche Schrift eher ungewöhnlich ist der Anspruch, die Erklärung in einer sogenannten "Sprache der Liebe" zu formulieren. Begründet wird dies folgendermaßen: "Liebe ist die Sprache des Bundes. Die biblischen Bundesschlüsse, die alten wie die neuen, sind Ausdruck von Gottes erlösender Liebe und Gnade, die sich nach einer verlorenen Menschheit und zerstörten Schöpfung ausstrecken. Sie fragen nach unserer Antwort der Liebe. Unsere Liebe erweist sich im Vertrauen, im Gehorsam und in der leidenschaftlicher Hingabe an unseren Herrn, der uns in seinem Bund die Treue hält."

Für den Herrn, den wir lieben

Die Kapstadt-Verpflichtung hat zwei Teile, von denen bisher nur der erste in autorisierter deutscher Übersetzung vorliegt und unter dem Thema "Für den Herrn, den wir lieben. Unsere Verpflichtung zum Glauben" steht. Entsprechend dieser "Sprache der Liebe" geht Teil eins auf wesentliche christliche Glaubensgrundsätze ein, wie beispielsweise "Wir lieben, weil Gott und zuerst geliebt hat" oder "Wir lieben das Evangelium Gottes".

Zum Zeitpunkt des Erscheinens dieser Ausgabe liegt der zweite Teil der Schrift mit dem Titel "Für die Welt, der wir dienen. Unsere Verpflichtung zum Handeln" nur in einer englischen Fassung vor. Eine vollständige deutsche Version wird erwartet, an dieser Stelle werden gewisse Aussagen jedoch einer inoffiziellen Übersetzung dieses Abschnitts entnommen. Der Grund dafür: Die Notwendigkeit der Erklärung kommt im zweiten Teil angesichts der sich verändernden Welt und der Themen, die damit zum Teil ganz neu auf der Tagesordnung stehen, deutlicher zum Ausdruck. Deshalb soll dieser Abschnitt hier stärker fokussiert werden.

Teilnehmer bei Lausanne III in Kapstadt

Für die Welt, der wir dienen

Die Kapstadt-Verpflichtung, insbesondere ihr zweiter Teil, ist ein Aufruf zum Handeln. Dieser Aufruf ist die logische Konsequenz der im ersten Teil konstatierten theologischen Grundlagen: "Unser Bund mit Gott verbindet Liebe mit Gehorsam."

Auf dem Kongress in Kapstadt wurden sechs wesentliche Themen bearbeitet. Diese bilden nun einen Rahmen für die Verpflichtung, anhand dessen die zeitgenössischen Herausforderungen für die weltweite Gemeinde Christi erkannt und Prioritäten für die Zukunft gesetzt werden können:

  1. Wahrheit – die Wahrheit Christi bezeugen in einer pluralistischen globalisierten Welt
  2. Versöhnung – den Frieden Christi aufbauen in unserer gespaltenen und zerbrochenen Welt
  3. Weltreligionen – die Liebe Christi leben unter Menschen anderer Glaubensrichtungen
  4. Prioritäten – den Willen Christi für die Weltevangelisation erkennen
  5. Rechtschaffenheit – ein neuer Appell an die Gemeinde, integer und authentisch zu sein
  6. Partnerschaft – Partnerschaften im Leib Christi eingehen für Einheit in der Mission

Diese sechs Hauptthemen werden in ihren primären praktischen Konsequenzen in Teil zwei der Erklärung entfaltet. Beispielhaft soll das an einigen Stellen deutlich gemacht werden.

Wahrheit

Die Wahrheit Christi bezeugen in einer pluralistischen globalisierten Welt

Die Kapstadt-Verpflichtung betont die Bedeutung des Zeugnisses in Wort und Tat. "Wir müssen die Wahrheit leben." Das wird Menschen am meisten überzeugen, gleichwohl muss die Wahrheit aber auch verkündigt werden: "Die gesprochene Verkündigung der Wahrheit des Evangeliums ist in unserem Auftrag von höchster Wichtigkeit und kann nicht vom Leben der Wahrheit getrennt werden. Werke und Worte müssen eins sein."

Verkündigung

Dies setzt eine klare Verkündigung voraus: "Wir müssen das Evangelium nicht nur als eine individuelle Errettungsmöglichkeit präsentieren oder als eine bessere Lösung für Probleme als andere Götter, sondern als Gottes Plan für das gesamte Universum in Christus Jesus." Dies ist eine besondere Herausforderung im Zeitalter des postmodernen relativistischen Pluralismus. Er erlaubt keine absolute oder universelle Wahrheit. Christen dürfen hier nicht einknicken, sondern müssen sich als Apologeten bewähren. Insbesondere müssen sie beten, damit Personen gefunden werden, die das Evangelium auch auf hohem intellektuellem Niveau verteidigen können. Christen sollen dafür beten, dass sie die Wahrheit des Evangeliums mit einer prophetischen Bedeutung ("with prophetic relevance") in ihre alltäglichen Gespräche integrieren können.

Arbeitsplatz

Christen sollen insbesondere ihren Arbeitsplatz als Ort der Mission entdecken. "Wir haben es verpasst, die Arbeit selbst als biblisch wichtig zu betrachten, indem es uns nicht gelungen ist, das gesamte Leben unter die Herrschaft Jesu Christi zu stellen." Besondere Aufmerksamkeit bei der Verkündigung des Evangeliums kommt den Medien, der Kunst und der Technologie zu.

Versöhnung

Den Frieden Christi aufbauen in unserer gespaltenen und zerbrochenen Welt

Versöhnung mit Gott ist untrennbar verbunden mit der Versöhnung untereinander. Jesus brachte Frieden durch das Kreuz und predigte Frieden der gespaltenen Welt der Juden und Heiden. Die Einheit der Kinder Gottes ist eine Tatsache.

Juden

Auch zwischen Juden und Heiden gibt es weder einen Unterschied in der Sünden- noch in der Errettungsfrage. Nur im und durch das Kreuz können beide zu Gott, dem Vater kommen, durch den einen Geist.

Ethnische Konflikte

"Ethnische Vielfältigkeit ist der Plan und das Geschenk Gottes in der Schöpfung. Doch menschliche Sünde und Stolz haben sie verdorben und das Resultat ist Konfusion, Streit, Gewalt und Krieg unter den Nationen. In der neuen Schöpfung jedoch wird ethnische Vielfältigkeit erhalten bleiben, wenn Menschen aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen als die Erlösten vor Gott zusammenkommen."

Deutlich wird auf die Komplizenschaft von Christen in einigen der destruktivsten Kontexte ethnischer Gewalt und Unterdrückung hingewiesen. Auch das Schweigen großer Teile der Gemeinde zu solchen Konflikten wird kritisiert. Zu diesen Kontexten gehören die Geschichte und das Vermächtnis des Rassismus und der Sklaverei, der Holocaust gegen die Juden sowie das Leiden der Palästinenser, die Apartheid, "ethnische Säuberung" usw. Darum müssen Christen Buße tun, wenn sie sich an solchen Machenschaften mitschuldig machten, indem sie schwiegen, apathisch waren und als neutral galten oder indem sie falsche theologische Rechtfertigungen dafür beibrachten. Es ist und bleibt so: Jesus hat nicht nur unsere Sünde ans Kreuz getragen, um uns mit Gott zu versöhnen, sondern hat auch unsere Feindseligkeiten vernichtet, um uns miteinander zu versöhnen.

Armut und HIV

Weitere Themen der Kapstadt-Verpflichtung sind Armut und HIV: "Wir lehnen jegliche Verurteilung, Feindseligkeit, Ausgrenzung und Diskriminierung gegen Menschen ab, die mit HIV und AIDS leben. Solche Dinge sind Sünde und eine Schande im Leib Christi. Wir alle haben gesündigt und die Herrlichkeit Gottes verloren; wir sind nur durch Gnade errettet und wir sollten nicht vorzeitig urteilen, sondern schnell vergeben." Es braucht umso mehr die klare Lehre, "dass die Ehe der einzige Ort für sexuelle Einheit ist. Das ist notwendig, nicht nur, weil es die Bibel eindeutig lehrt, sondern auch, weil das Überhandnehmen von mehreren gleichzeitigen sexuellen Partnerschaften außerhalb der Ehe ein Hauptgrund dafür ist, dass sich HIV-AIDS in den meisten betroffenen Ländern so rasch vermehrt."

Bewahrung der Schöpfung

Christen sollten sich einen Lebensstil aneignen, der auf Konsumgewohnheiten verzichtet, die zerstörerisch oder umweltverschmutzend sind, und auch öffentlich für entsprechende politische Entscheidungen eintreten.

Teilnehmerin bei Lausanne III in Kapstadt

Weltreligionen

Die Liebe Christi leben unter Menschen anderer Glaubensrichtungen

Andere Religionen

"Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" schließt auch Menschen anderer Glaubensrichtungen ein. "Sie sind Menschen, als Ebenbild Gottes geschaffen, die Gott liebt und für deren Sünden Jesus gestorben ist. Wir wollen sie nicht nur als Nachbarn betrachten, sondern tun, was Jesus gelehrt hat, und Nachbarn für sie sein. Wir sind aufgefordert, freundlich zu sein, aber nicht naiv, weitblickend, aber nicht leichtgläubig, auf Gefahren zu achten, die vielleicht auf uns zukommen, aber nicht durch Angst kontrolliert zu sein."

Wir sollten "das Evangelium ehrlich und offen darlegen und dem Zuhörer die Freiheit geben, seine eigenen Schlüsse daraus zu ziehen. Wir wollen Menschen anderer Glaubensrichtungen gegenüber einfühlsam sein." Christen sollten beim Evangelisieren von Menschen anderer Religionen sensibel vorgehen. "Unser Zeugnis muss von Freundlichkeit und Respekt geprägt sein."

Migration

Menschen sind in Bewegung wie nie zuvor. Migration ist eine der großen Realitäten unserer Zeit. "Wir ermutigen Christen in Gastländern, in denen Einwanderer anderer religiöser Hintergründe leben, gegenkulturelle Zeugnisse in Wort und Tat von der Liebe Christi zu geben, indem sie den weitreichenden biblischen Geboten folgen, wie: liebe den Fremden, verteidige das Recht des Fremden, besuche die Gefangenen, übe Gastfreundschaft aus; baue Freundschaften auf; lade Fremde in dein Zuhause ein, biete Hilfe an und diene."

Religionsfreiheit

Liebe setzt sich für die religiöse Freiheit aller Menschen ein. Es herrscht kein Widerspruch zwischen der Bereitschaft, persönlich für den Missbrauch oder Verlust unserer eigenen Rechte um Christi willen zu leiden, und der Verpflichtung, für andere aufzustehen, die keine Stimme haben, wenn ihre Menschenrechte verletzt werden. "Wir müssen auch unterscheiden zwischen der Verteidigung der Rechte von Menschen anderen Glaubens und dem Befürworten der Wahrheit ihres Glaubens. Wir können die Freiheit anderer verteidigen, ihren Glauben praktizieren zu dürfen, ohne dass wir ihre Religion als richtig und wahr betrachten."

Doch im Zentrum aller legitimen Bestrebungen für religiöse Freiheit für alle Menschen, bleibt das tiefste Verlangen, dass alle Menschen Jesus Christus kennen lernen, frei an ihn glauben und errettet und in das Reich Gottes aufgenommen werden.

Prioritäten

Den Willen Christi für die Weltevangelisation erkennen

Unerreichte Menschen

Gott möchte, dass alle Menschen Zugang zu seiner Liebe und der Errettung durch Jesus Christus haben. Es gibt tausende Menschengruppen in der Welt, denen dieser Zugang durch christliche Zeugen noch nicht ermöglicht wurde. "Tatsächlich wird nur ein winziger Prozentsatz der Gemeinderessourcen (an Menschen und Material) für die am wenigsten erreichten Menschen eingeplant." Christen sollten ihre "Verpflichtung erneuern, zu denen zu gehen, die das Evangelium noch nicht gehört haben" und sich "intensiv mit ihrer Sprache und Kultur befassen; das Evangelium unter ihnen leben, mit inkarnatorischer Liebe und Opferbereitschaft; ihnen das Licht und die Wahrheit Jesu Christi in Wort und Tat weitergeben, damit sie durch die Kraft des Heiligen Geistes die überraschende Gnade Gottes erkennen". Die Bibelarmut in der Welt muss ausgeräumt werden, denn die Bibel bleibt unabdingbar für die Evangelisation.

Städte

"Städte sind äußerst wichtig für die menschliche Zukunft und die Weltmission. Die halbe Welt wohnt heute in Städten. Wir müssen unsere Städte so lieben, wie Gott sie liebt, mit heiligem Urteilsvermögen und christusgemäßem Mitgefühl. Wir müssen seinem Befehl gehorchen, ‚das Wohl der Stadt zu suchen’, wo immer das auch sein mag."

Teilnehmer bei Lausanne III in Kapstadt

Partnerschaft

Partnerschaften im Leib Christi eingehen für Einheit in der Mission

Für die Echtheit der Mission bleibt die Einheit der Gemeinde eine zentrale Aufgabe. "Eine geteilte Gemeinde kann einer geteilten Welt keine Botschaft übermitteln. Die Unfähigkeit, in einer versöhnten Einheit zu leben, ist ein Haupthindernis für authentische und erfolgreiche Mission. Allzu oft haben Kirchen in der Mission Wege gewählt, die die eigenen Identitäten in den Vordergrund gestellt haben (ethnisch, konfessionell, theologisch usw.), und es wurden Leidenschaften und Vorlieben nicht unserem Herrn und Meister untergeordnet. Die Vormachtstellung und Zentralität Jesu Christi in unserer Mission muss mehr sein als nur ein Bekenntnis des Glaubens – sie muss auch Strategie, Praxis und Einheit bestimmen.

"Lasst uns, in Unterordnung zu Christus, jeden Argwohn, jede Konkurrenz und jeden Stolz beiseite legen und willig sein, von denen zu lernen, die Gott gebraucht, selbst wenn sie nicht aus unserem Kontinent stammen, kein Teil unserer spezifischen Theologie sind und nicht unserer Organisation oder unserem Freundskreis angehören. Lasst uns endlich beweisen, dass die Gemeinde nicht nach dem Grundsatz arbeitet: Wer das meiste Geld hat, trifft die Entscheidung. Lasst uns stattdessen auf echte Gemeinsamkeit bauen, vom Norden zum Süden, vom Osten zum Westen, auf gegenseitige Abhängigkeit im Geben und Empfangen und auf Respekt und Würde, die wahre Freunde und echte Partner in der Mission auszeichnen."

Zusammengefasst

Es ist eine bemerkenswerte Idee, den ersten Teil der Kapstadt-Verpflichtung ganz aus der Perspektive der Liebe zu entfalten. Dieser Abschnitt mit dem Titel "Für den Herrn, den wir lieben" nutzt die Gelegenheit, um aus christlicher Perspektive darzulegen, mit welchen Mitteln in der Mission das letztendliche Ziel – nämlich die Verherrlichung Gottes – angestrebt wird: Nicht mit Gewalt oder Macht, sondern mit Liebe.

Jemand hat formuliert, der zweite Teil sei das Ergebnis eines der umfassendsten weltweiten "Zuhörprozesse" in der Geschichte des Christentums – möglich gemacht durch die weltweiten online-Vernetzungen.

Ich denke, diese Verpflichtung erfasst die wesentliche Herausforderungen, mit denen sich die Kirche heute konfrontiert sieht. In ihren Antworten ist sie eine mutige und sehr konkrete Erklärung. Sie identifiziert sechs Hauptprobleme: in einer pluralistischen, globalisierten Welt Zeugnis über die Wahrheit Christi abzulegen, den Frieden Christi in einer zerteilten und zerbrochenen Welt aufzurichten, die Liebe Christi unter Menschen anderen Glaubens zu leben, den Willen Christi für die Weltevangelisation zu erkennen, die Kirche wieder zu Demut, Integrität und Einfachheit aufzurufen und im Leib Christi für die Einheit in der Mission zusammenzuarbeiten.

Ein paar Aspekte sind meines Erachtens besonders bemerkenswert an der Erklärung:

Da ist einmal der friedfertige Tenor der Kapstadt-Verpflichtung. Auch in kontroversen Fragen bemüht man sich um einen Ton, der um Einigkeit bemüht ist. Dabei wird unterschieden zwischen Wahrheiten, bei denen unbedingt Einigkeit notwendig ist, und zweitrangigen Themen, bei denen Christen anhand der Bibel zu unterschiedlichen Erkenntnissen kommen können.

Im Zuge der Globalisierung berücksichtigt sie ausdrücklich und in besonderer Weise die Bedeutung von Leiden, Verfolgung und Martyrium für die Mission. Dass nach wie vor ein Großteil der Christenheit leidet und erheblichen Repressalien ausgesetzt ist, wird hier in einer Sprache der Versöhnung angesprochen.

Außerdem befürwortet sie den Einsatz für Religionsfreiheit unabhängig davon, ob auch andererseits den Christen Religionsfreiheit gewährt wird. Evangelisation soll in Respekt und mit Sensibilität für die Lage des Gegenübers geschehen. Die Verbreitung von Lügen und Karikaturen über andere Religionen wird ganz eindeutig abgelehnt und verurteilt, ebenso wie das Schüren rassistischer Vorurteile, Hass und Angst sowie Gewaltanwendung und Rache. Die Kapstadt-Verpflichtung verankert deutlich in ihrer theologischen Grundlegung, was es bedeutet, "unseren Nächsten zu lieben wie uns selbst". Es bedeutet, auf Hass, Verleumdung, Verfolgung, Gewalt und Mord mit einer Christus-ähnlichen Weise zu reagieren.

Es ist insgesamt zu früh, um einschätzen zu können, ob die Kapstadt-Verpflichtung eine ähnliche Tragweite haben wird wie die Lausanner Verpflichtung von 1974. Aber ich glaube, dass eine nachhaltige Wirkung möglich ist, weil einige Probleme unserer globalisierten Welt wünschenswert deutlich angesprochen wurden. Es lohnt sich meines Erachtens, diese "Zeitansage" der Kapstadt-Verpflichtung in unseren Gemeinden zu diskutieren.

Ekkehart VetterEkkehart Vetter

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