MÜLHEIMERVERBANDFreikirchlich-Evangelischer Gemeinden (MV)

In einer ersten Reaktion haben führende Vertreter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) scharfe Kritik an verallgemeinernden Aussagen in einer heute vorgestellten Studie des Kriminologischen  Forschungsinstituts  Niedersachsen (KfN)  geäußert  und  den  Einsatz  der VEF-Mitgliedskirchen  für  das  Kindeswohl  hervorgehoben.

In  der  Forschungsarbeit  über "Christliche Religiosität und elterliche Gewalt" resümieren die Autoren um Prof. Dr. Christian Pfeiffer, Eltern, die einer evangelischen Freikirche angehören, würden ihre Kinder häufiger und mit zunehmender Religiosität auch härter körperlich bestrafen als Eltern, die zu Landeskirchen gehören.  VEF-Präsident  Ansgar  Hörsting  betonte, gewaltfreie  Erziehung  sei  in  der VEF Konsens, und in den Mitgliedskirchen gebe es zahlreiche erfolgreiche Projekte, die sich für das Kindeswohl und gegen jede Form von Gewalt und Missbrauch an Kindern einsetzen: "Die von Prof. Pfeiffer in Interviews vorgetragenen Beispiele für gewaltsame Erziehung sind uns zutiefst fremd."

Zudem, so Hörsting weiter, sei die "freikirchliche Landschaft in Deutschland viel zu heterogen, als dass man alle Freikirchen über einen Kamm scheren" könne. Peter Jörgensen, Beauftragter der VEF am Sitz der Bundesregierung, hob das Interesse der Vereinigung an differenzierten Ergebnissen hervor: "Seit Jahren bieten wir dem Institut unsere Kooperation an." Kurz vor der Veröffentlichung habe das KfN versprochen, für die notwendige Differenzierung zu sorgen, doch die Zusage sei nicht eingehalten worden: "Uns ist eine differenzierte Forschung vor allem deshalb so wichtig, weil diese dazu beitragen würde, tatsächlich an den richtigen Stellen Maßnahmen zu ergreifen, um Kinder vor Übergriffen zu schützen. Dies ist aber anscheinend nicht vorwiegendes Interesse des KfN. Prof. Pfeiffer ist bekannt für zugespitzte  Thesen.  Das schadet  allerdings  dem  Anliegen,  basierend  auf  soliden  und  seriösen wissenschaftlichen  Ergebnissen  gemeinsam  etwas  gegen  häusliche  Gewalt  zu  unternehmen."

Jörgensen  nannte  als  Beispiele  für  erfolgreiche  freikirchliche  Kindes-  und  Jugendschutzkampagnen die Initiative "Sichere Gemeinde" des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) und "Ein Notfallplan" der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Auch  BEFG-Präsident  Hartmut  Riemenschneider  kritisierte  die  verallgemeinernden  Aussagen der Studie und wandte sich ausdrücklich gegen eine "unpräzise Begrifflichkeit". So werde  "evangelisch-freikirchlich" in  der  Forschungsarbeit  als  Synonym  für  alle  evangelischen Freikirchen verwendet, was schlicht falsch sei: "Es handelt sich nicht um einen Gattungsbegriff,  sondern  um  einen  Wortlaut  aus  dem  Namen  des  Bundes  Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden, einer Körperschaft, die sich ebenso wie alle VEF-Mitgliedskirchen von den beschriebenen gewaltsamen Erziehungspraktiken ausdrücklich distanziert."

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